"Liebe Hamburger, bitte wehrt euch"

Sechs frühere Schauspielhaus-Intendanten protestieren gegen die geplanten Etat-Einschnitte

Frank Baumbauer (1991-2000): "Das Schauspielhaus ist das Theater ! Es nun klein zu stutzen ist nicht der Wille der Hamburger. Diesen Auftrag hat die Politik nicht bekommen. Der Senat prügelt auf die Kultur ein, vernichtet sie, ist zynisch. Liebe Hamburger, bitte wehrt euch, es ist euer Schauspielhaus, nicht das eines kopflosen Senats auf Zeit. Bitte wehrt euch. Bitte."

Ivan Nagel (1972-1979): "Mit der irren Idee, Schauspielhaus und Thalia zusammenzulegen, haben sich kunstfremde und sparwütige Politiker oft beschäftigt. Sie würde Hamburg im Vergleich zu Berlin und München zur aussichtslosen Provinz machen. Dieser Zweck ist natürlich auch durch die Halbierung des künstlerischen Etats zu erreichen."

Tom Stromberg (2000-2005): "Die geplante Kürzung von 1,2 Millionen Euro für das Schauspielhaus ist ein beispielloser Vorgang in der Hamburger Kulturpolitik - dieses Theater so zu beschädigen, das lässt nur noch kalte Wut zu. Wut auf wen? Auf die Grünen. Und Wut auf den Kultursenator, der das Ausmaß dieser von ihm mitgetragenen Entscheidung wohl noch nicht ermisst."

Gerd Schlesselmann (1992-1993, kommissarisch): "Eine Generalintendanz für Schauspielhaus und Thalia wäre das Mieseste, was überhaupt stattfinden kann. Ohnehin ist jede Einsparung in der Kultur Unsinn, besonders wenn man den kleinen Kulturetat anschaut. Jetzt gefährdet man Projekte wie das Junge Schauspielhaus, die richtig gut laufen - also eine Erfolgsabteilung."

Niels-Peter Rudolph (1980-1985): "Die Beliebigkeit und kulturpolitische Inkompetenz, mit der jeden zweiten Tag ein neuer Zerstörungsplan gegen gewachsene Kultur in die Welt gesetzt wird, ist gedankenlos gelebte Fahrlässigkeit. Sperrt den Senat ins Millionengrab Elbphilharmonie - bis sich die Gedanken wieder zur Kultur der Verhältnismäßigkeit geordnet haben!"

Michael Bodganov (1989-1991): "Um kleines Geld zu sparen, wird das künstlerische Herz eines Theaters kaputtgemacht. Hamburg hat eine lange Geschichte kulturell ungeschickter Politiker, die gern die gesamte Kultur privatisieren würden. Aber wenn man die Zuschüsse wegnimmt, würde Theater reduziert auf eine endlose Magerkost von Musicals."