"Lost" auf der Insel der offenen Fragen

Das Tolle am Fernsehen ist ja, dass es Mythen ewig am Leben halten kann. Als im Sommer in den USA das große, dramatische, metaphysisch und philosophisch umwaberte Finale von "Lost" ausgestrahlt wurde, trug die weltweite Fangemeinde im Rest der Welt, die per Internet fast zeitgleich mitlitt oder gar Tränen des Mitgefühls vergoss, ordnungsgemäß Trauer. Eine Ära war zu ihrem Ende gekommen.

Sechs Staffeln lang wurde erzählt, was die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer tropischen Insel erlebten. Sechs Staffeln lang wurden die Passagiere eines Flugs von Sydney nach Los Angeles dort mit unaufgelöst bleibenden Geheimnissen bombardiert, auf einer Insel, die immer wieder neue Fragen stellte, ohne sie je zu beantworten. Wo es Eisbären gab, Rauchmonster, Zeitsprünge, eine Atomexplosion und die "Anderen". Wo Alles alles Mögliche bedeuten konnte, oder auch nicht.

Von heute an zeigt Kabel eins die letzten 18 Kapitel dieser Saga, die zunächst noch vom größeren Bruder ProSieben ausgestrahlt wurde - in Doppelfolgen zwar, um den Spaß zu erhöhen, aber auch erst ab 22.15 Uhr. Die Quoten ... Wie so viele überdurchschnittlich intelligente und komplexe Serien ist auch "Lost" ein Erfolg, der sich rasend schnell auf DVD und ins Internet verlagerte. Ein TV-Anbieter, der erst noch synchronisieren will, kann da nur verlieren. Die Fans sind immer schneller und längst jeder Sendezeit voraus.