Die amerikanische Familie und ihr natürlicher Raum

Garth Risk Hallberg liest morgen aus seinem ungewöhnlichen Naturführer

Cohen + Dobernigg. Die Spezies der amerikanischen Familie mit Mutter, Vater, zwei Kindern, Hund und zwei Autos (Haus obligatorisch) ist vom Aussterben bedroht. Grund genug, dieser Art einen Naturführer zu widmen, der für den geneigten Leser gewinn- und erkenntnisbringend ist und dieses Wissen für die Nachwelt bewahrt.

Garth Risk Hallberg hat sich dieser Aufgabe gestellt und mit seinem Debütroman "Ein Naturführer der amerikanischen Familie" einen extrem geistreichen Familienroman geschrieben, der einfach anders ist. Am Donnerstag liest der New Yorker Autor zusammen mit Sven Amtsberg in der Buchhandlung Cohen + Dobernigg aus seinem reichlich mit Fotos illustrierten und mit zahlreichen Querverweisen versehenen Bestimmungsbuch.

Die Hungates und die Harrisons sind Nachbarn in einem New Yorker Vorort wie sie im Bilderbuch stehen: Die Männer leihen sich Werkzeug, die Frauen genießen gemeinsam den Pool, die Kinder spielen miteinander. Doch als Frank Harrison plötzlich stirbt, ist es mit dem lieb gewonnen Trott vorbei. Die Hungates lassen sich scheiden und deren Sohn Gabriel verliebt sich in Harrisons Tochter Lacey. Die Katastrophe ist perfekt.

Der 1978 in Louisiana geborene Hallberg nähert sich in 63 literarischen und zugleich lexikalischen Momentaufnahmen von A wie Adoleszenz bis Z wie Zuhause dem brüchigen Konstrukt der amerikanischen Familie. Die Reihenfolge der Einträge lässt sich Hallberg dabei nicht vom Alphabet diktieren. Doch egal wie man das Buch liest, den Verweisen nach, alphabetisch oder schlicht Seite um Seite, früher oder später wird sich ein bittersüßes, großartig beobachtetes Porträt ergeben.

Garth Risk Hallberg liest aus "Ein Naturkundeführer der amerikanischen Familie", Do 23.9., 20.00, Cohen + Dobernigg (S/U Sternschanze), Sternstraße 4, Eintritt 6,-; Tel. 40 18 51 10