Verfilmung mit Julia Roberts

Lieben und Leiden mit der besten Freundin

Bestseller-Autorin Elizabeth Gilbert ("Eat Pray Love") liest heute in Hamburg aus ihrem neuen Buch "Das Ja-Wort". Ein Sachbuch über die Ehe.

Europa-passage. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Sinnkrise. Keine kleine wie "Was ziehe ich heute nur an". Nein, eine Raum-, Herz- und Hirn umfassende, alles erschütternde Sinnkrise. Stellen Sie sich weiter vor, Sie schreiben sich die Geschichte von der Seele, wie es bergab, langsam aber auch wieder bergauf geht. Und stellen Sie sich schließlich vor, dieser Stoff wird verfilmt. Mit Julia Roberts in der Hauptrolle. Und Javier Bardem, der bereits Scarlett Johansson vor und Penélope Cruz hinter der Kamera verführt hat, spielt Ihre neue Liebe. Schwer vorzustellen? Ja. Außer für die Amerikanerin Elizabeth Gilbert.

Die Journalistin und Autorin avancierte mit ihrem Buch "Eat Pray Love" zur universellen Freundin von Millionen von Frauen. Und das in 40 verschiedenen Sprachen. Mehr als acht Millionen Mal wurde es seit seiner Veröffentlichung 2006 übersetzt. Die heute 41-Jährige schrieb ihre Selbstfindungsreise, die sie nach einer schweren Scheidung von Italien über Indien nach Bali führte, so lebensklug auf, dass vor allem bei der weiblichen Leserschaft unweigerlich all die existenziellen Fragen aufsteigen, die im Alltag gern beiseitefallen. Ein Buch, das einen nach- und querdenken lässt.

Auch die ewige "Pretty Woman" Julia Roberts, die sich ab Donnerstag als Liz durch die deutschen Kinos liebt und leidet , schlemmt und betet, verfiel dem universellen Freundinnen-Appeal Gilberts. Nach eigenem Bekunden verschlang die Schauspielerin die knapp 500 Seiten und konnte sich augenblicklich mit der Story identifizieren. "Jeder erreicht irgendwann mal den Punkt, an dem man sein bisheriges Leben überdenken muss und sich fragt, wer man eigentlich ist", erklärt Roberts. Und die 42-Jährige, die mit Gilbert die Hingabe für Spiritualität teilt, verkörpert in "Eat Pray Love" überzeugend eine Frau, die neben einigen Falten vor allem reichlich Erfahrung vorzuweisen hat. Auch wenn der Film weniger in die Tiefe geht als das Buch und der Zuschauer mitunter durch einen Urlaubskatalog zu wandeln meint, sind Regisseur Ryan Murphy sinnliche und durchaus auch inspirierende 140 Minuten Kino gelungen.

Bestseller-Verfilmung "Eat Pray Love" feiert Weltpremiere

Ein Alter Ego von sich auf der Leinwand zu sehen, darin hat Gilbert Übung. Ein Artikel über ihre Zeit als Bedienung in einer New Yorker Bar wurde zur Grundlage für den Film "Coyote Ugly", in dem die Freundinnen jedoch eher Stilettos als Sari trugen. Und auch Elizabeth Gilberts jetzt im Berlin-Verlag erschienenes Buch "Das Ja-Wort - Wie ich meinen Frieden mit der Ehe machte", aus dem sie heute in der Thalia-Buchhandlung in der Europa-Passage liest, dürfte ihren Status als universelle Freundin weiter zementieren. Denn Gilbert, die auf ihren überstandenen Rosenkrieg wie eine Veteranin zurückblickt, setzt sich stellvertretend für zahlreiche Leidens- und Geschlechtsgenossinnen mit der Frage auseinander: Will ich mir das (wieder oder jemals) antun?

Felipe, Gilberts in Bali gefundene brasilianische Liebe mit australischem Pass, wird an der US-Grenze des Landes verwiesen. Einzig eine Heirat ermöglicht dem Paar, eine Existenz in Nordamerika aufzubauen. Um nicht getrennt zu sein, reisen die zwei 2006 mehrere Monate von Vietnam über Laos nach Bali, bis Papiere und Heimatschutzministerium in Einklang gebracht sind. Zeit, die die erklärte Hochzeitsphobikerin nutzt, um die Ehe durch Geschichte und Kulturen hinweg zu analysieren.

Sylvester Stallone schlägt Julia Roberts an den Kinokassen

Auch wenn "Das Ja-Wort" inhaltlich an "Eat Pray Love" anknüpft, ist es stilistisch nicht die Fortsetzung dieser süffig erzählten, romanhaften Autobiografie. Zwar schreibt Elizabeth Gilbert erneut sehr persönlich, in launigem Plauderton und anekdotenreich, aber diesmal eben auch mit akribischem Forscherdrang. Entstanden ist ein Sachbuch, das zwischen Intimität und Wissenschaftlichkeit pendelt. Basierend auf Studien und Fachliteratur räumt Gilbert etwa mit dem Mythos auf, dass das Christentum die Ehe stets als höchstes Gut protegiert hat. Sie erinnert daran, dass bis ins 20. Jahrhundert eine Frau als Rechtsperson hinter ihrem Gatten verschwand. Und sie zeigt auf, wie die in der Postmoderne zerbröckelnde Institution ausgerechnet von heiratswilligen gleichgeschlechtlichen Paaren gerettet wird. Zudem befragt Gilbert gefühlt jede Frau von der Hmong-Familie in Vietnam bis zur eigenen Sippe zu dem Thema. Ein globales Netzwerk von Freundinnen.

Lesung Elizabeth Gilbert (deutscher Text: Daniela Hoffmann, Synchronstimme von Julia Roberts), heute, 20.15, Thalia-Buchhandlung Europa-Passage (S/U Jungfernstieg), Eintritt: 8 Euro