Hamburger Staatstheater

Etats, Preise, Auslastung: So rechnet sich Kultur

Foto: Michael Rauhe

Was kosten Karten in den Hamburger Staatstheatern ohne Zuschüsse? Wofür geben die Häuser ihr Geld aus? Das Abendblatt beantwortet es.

Hamburg. Wer wissen will, welches Hamburger Staatstheater wie viel für was ausgibt, bekommt oder verlangt, muss gute Nerven und Geduld mitbringen. Die Sache ist dank dichter Tarifdschungel und organisatorischer Besonderheiten voller Fußangeln. Doch es gibt Eckzahlen, die eine deutliche Sprache sprechen: So würde eine Karte im Schauspielhaus ohne staatliche Zuschüsse den Zuschauer im Durchschnitt 102,70 Euro kosten und im Thalia 102,41 Euro (Staatsoper in der Saison 2008/9: 157,42 Euro). Real und von der Stadt subventioniert bewegen sich die Durchschnittspreise im Schauspielhaus zwischen 25 Euro wochentags und 47 Euro für eine Premiere.

Eine Repertoire-Vorstellung im Thalia-Haupthaus liegt bei 25 Euro pro Platz, eine Premiere bei 50 Euro (im Thalia in der Gaußstraße bei 20 Euro für eine Repertoire-Vorstellung und 26 Euro für eine Premiere). Die Staatsoper verlangte für eine Repertoire-Karte durchschnittlich 46 Euro, für eine Premierenkarte belief sich der subventionierte, gemittelte Preis auf 83 Euro.

Der Etat des Schauspielhauses betrug in der Spielzeit 2009/10, die 721 Vorstellungen bot, 25,075 Millionen Euro. Davon waren 18,9 Millionen Spielbetriebzuschuss plus eine Million sogenannte Verstärkungsmittel für Tariferhöhungen. (Im Vergleich: Der Etat des Thalia-Theaters betrug 25,4 Millionen Euro, davon 17,8 Millionen Subventionen. Der Staatsopern-Etat in der Spielzeit 2008/9 betrug 61 Millionen Euro, 44 davon waren Subventionen.) Den Rest erwirtschaften die Häuser durch ihre Einnahmen. Das Thalia hatte 754 Vorstellungen, die Staatsoper 390. Der Anteil der Personalkosten (inklusive Gästehonorare) betrug im Schauspielhaus 18, 59 Millionen Euro, das sind 75 Prozent des Etats - und bedeutet, dass die städtische Zuwendung dort zum allergrößten Teil für die Mitarbeiter ausgegeben wird.

Das Thalia beziffert den Personalkostenanteil inklusive Sozialabgaben auf 72,4 Prozent seines Etats. Die Staatsoper kommt bei diesem Bilanzposten auf 79,9 Prozent. Im künstlerischen Bereich sind im Thalia 87 Mitarbeiter tätig (Schauspielhaus: 73), im technischen Bereich arbeiten 230 Menschen (234 im Schauspielhaus). Die Staatsoper hat 233 Mitarbeiter im künstlerischen Bereich, dazu kommen 125 im Landesbetrieb Philharmonisches Staatsorchester, in Technik und Verwaltung sind 386 Mitarbeiter tätig.

Die durchschnittlichen Kosten einer Neuinszenierung (künstlerischer Stab, Gäste, Bühnenbildetat, ohne Verrechnung Festangestellte) veranschlagt das Haus an der Kirchenallee auf 121 000 Euro im Großen Haus und 45 400 Euro im Malersaal. Das Thalia kommt auf einen Durchschnittspreis von 148 000 Euro für einen Premiere im Großen Haus und 47 500 Euro in der Gaußstraße. Die Staatsoper machte dazu keine Angaben.

Das Schauspielhaus verbuchte eine Auslastung von 66,24 Prozent und kam auf insgesamt 244 217 Besucher. Die durchschnittliche Auslastung im Thalia lag bei 68,27 Prozent, es kamen 248 018 Besucher. In der Staatsoper waren es 84,3 Prozent (Ballett sogar 95,4 Prozent) und 387 492 Besucher.

Ein kleiner, aufschlussreicher Vergleich zum Schluss: Das vom Rotstift existenziell bedrohte Theater Wuppertal hat errechnet, wie viel Oper und Schauspiel jedes Gemeindemitglied kosten - 32 Euro jährlich, also knapp 9 Cent pro Tag. Der Durchschnittsdeutsche, argumentierte die "Zeit" süffisant, gäbe für Bier täglich das Fünffache aus. Auch in Hamburg dürfte die berauschende Wirkung guter Kultur die deutlich gesündere sein.