Kultur Hamburg

Der Star ist das Team im St.-Pauli-Theater

Foto: Juergen Joost

Die Saison im Hamburger St.-Pauli-Theater verspricht einen Reigen großer Publikumslieblinge. Eine Vorstellung der kommenden Stücke.

Hamburg. Serkan Kaya und Josephin Busch gaben das Motto des Abends aus: "Gemeinsam sind wir stark", sangen sie, er als junger Udo, sie als sein süßes FDJ-Mädchen Jessy. Es ist der Titelsong des Udo-Musicals "Hinterm Horizont" - und ein besonderes Überraschungsbonbon für das Publikum, es waren schließlich die ersten Lieder aus dem Musical, das im Januar 2011 dort Weltpremiere feiern wird, wo es hingehört: im Berliner Theater am Potsdamer Platz. 1983 durfte Lindenberg als erster westdeutscher Popstar im Palast der Republik auftreten. Als ein junges Alter Ego setzte Kaya Hut und Sonnenbrille auf und imitierte perfekt das typische Nölen und den laschen Hüftschwung - ein würdiger Auftakt der Gala zur Spielzeiteröffnung im St.-Pauli-Theater . Im Schulterschluss mit Stage Entertainment wird Intendant Ulrich Waller das Udo-Musical herausbringen.

Bestens gelaunt führte das Intendantenduo Waller und Thomas Collien durch die Spielzeit-Vorschau. Sie bedankten sich bei Freunden und Förderern, für 170 000 Euro aus dem Bundeskonjunktur-Programm zur Dachsanierung und natürlich auch beim Publikum: Zur Sommerproduktion "Heiße Zeiten" waren 32 000 Besucher gekommen. Sozusagen ein Hitze-Rekord.

Südliche Leidenschaft brachte Etta Scollo gleich zu Beginn auf die Bühne, während sich Katja Riemann mit ihrem Programm über eine Reise im Liegewagen nach Paris mit Humor und Stimm-Power eher schwertat. Schauspielkollege Burghart Klaußner - bekannt aus dem osarnominierten Film "Das weiße Band" - brachte Ausschnitte seines neuen Programms "Zum Klaussner", wechselte mühelos von französischem Esprit zum bayerisch urigen "Fensterputzer Kari". Marlene Jaschke mit den Bayreuth-Weihen (seit ihrem Auftritt in Richard Wagners Villa Wahnfried) zeigte das Rheintöchter-Vorspiel zu ihrer "Ring"-Clowneske.

Der komische und sarkastische Tastensatiriker Rolf Claussen improvisierte mit dem Publikum eine Abschiedshymne auf den amtsmüden Ersten Bürgermeister "Ole, bye, bye, jetzt bist du endlich frei" und ließ ein "Feuerwerk" aus Pointen und Knalltüten platzen. Alle Künstler treten in den kommenden Monaten auf, darunter auch Matthias Deutschmann. Auch er konnte sich bissige Kommentare zur Hamburger Politik nicht verkneifen: "Die Grünen müssen mit einem Phantom koalieren."

Die formidablen Hansa-Boys spielten schon mal zur dritten Saison im Hansa-Theater ab 28. Oktober auf. Die Zuschauer verschafften mit ihrem Jubel dem Trickfußballer Arthur Mansilla für seine rasante Dribbel-Artistik einen Auftritt in der Varietéshow. Gustav Peter Wöhler kehrt in "Anatevka" auf die Kiezbühne zurück und Dominique Horwitz mit einem neuen Chanson-Programm, das dem französischen Künstler Jacques Brel gewidmet ist.

Wallers Spielplan setzt mit der deutschen Erstaufführung von Florian Zellers Komödie "Die Wahrheit" (mit Herbert Knaup) auf Neues, aber auch auf Bekanntes wie die Wiederaufnahmen von "Kunst", "Nachttankstelle" oder "Arsen und Spitzenhäubchen". Der Vorschau-Reigen bewies wieder einmal seine Gabe, Publikumslieblinge zu einem starken "virtuellen Ensemble" zu vereinen.

Info: www.st-pauli-theater.de