Viel Lärm um weniger im Schauspielhaus

Karin von Welck soll angeblich Schließung angeboten haben. Die Kulturbehörde dementiert

Hamburg. Große Aufregung um das Deutsche Schauspielhaus: Nicht nur hat das Theater mit immer schwieriger zu erfüllenden Sicherheitsauflagen von TÜV und Unfallkasse Nord zu kämpfen. Zeitgleich berichtete "Bild Hamburg", die zurückgetretene Kultursenatorin Karin von Welck habe Finanzsenator Carsten Frigge angeblich angeboten, das Haus an der Kirchenallee zu schließen, um neue Sparvorgaben erfüllen zu können (Sparpotenzial: 19 Millionen Euro jährlich - der Staatszuschuss zum Schauspielhaus-Etat). Wahlweise könne man auch drei Hamburger Museen dichtmachen (Sparpotenzial: acht Millionen Euro jährlich).

Richtig daran ist wohl nur, dass es tatsächlich eine neue Sparforderung des Finanzsenators gibt, die allen Ressorts den gleichen Prozentsatz zur Einsparung vorgibt - auch der Kulturbehörde. Diese Forderung soll sich im Größenbereich von 2,4 Prozent des Betriebshaushalts bewegen, der für die Kulturbehörde 228 Millionen Euro beträgt. Davon wären 5,4 Millionen Euro jährlich einzusparen. "Details der laufenden Haushaltsberatungen kommentieren wir nicht", heißt es dazu aus der Kulturbehörde. Und: "Im Senat wurde bereits verabredet, dass die Sanierung der Bühnenmaschinerie im Schauspielhaus als Investition in den Doppelhaushalt 2011/12 eingestellt wird."

Das wird Schauspielhausintendant Friedrich Schirmer gern hören; er war von dem Bericht über das angebliche Schließungsangebot überrascht: "Karin von Welck hat mir und Jack Kurfess am Montag bei unserem Abschiedsgespräch für die gute Arbeit gedankt und versichert, sie werde sich auch als Privatperson weiter bemühen, Sponsoren für das Junge Schauspielhaus zu finden", sagte er dem Abendblatt.

"Frau von Welck ging es darum aufzuzeigen, dass Kürzungen des Kulturetats sehr schnell existenzbedrohend für einzelne Einrichtungen werden. Frau von Welck wollte selbstverständlich nicht das Schauspielhaus schließen", sagt Kulturbehörden-Sprecherin Claudia Fregiehn, um die Wogen zu glätten.

Nach Abendblatt-Informationen hat die zurückgetretene Kultursenatorin das beabsichtigte Quotensparen in der Vorbesprechung zur Senatssitzung am vergangenen Dienstag allerdings als "völlig absurd" bezeichnet. Sie selbst, heißt es, habe an der Sparsitzung an ihrem vorletzten Arbeitstag deshalb demonstrativ nicht teilgenommen und bewusst keine Sparvorschläge gemacht. Der weiter amtierende Kulturstaatsrat Nikolas Hill habe dort die Interessen der Kulturbehörde vertreten.

Es gab tatsächlich mal einen Senator, der 2003 öffentlich die Idee äußerte, das Deutsche Schauspielhaus zu schließen. Er hieß Ronald Schill. Was macht der jetzt eigentlich?