Für das Privatfernsehen ist die Krise Vergangenheit

Die RTL Group erzielt ihr bestes Halbjahresergebnis aller Zeiten

Hamburg. Die Krise hat sich für das Privatfernsehen erledigt. Nach den guten Zahlen der ProSieben Sat.1 Media AG präsentierte nun die RTL Group das beste Halbjahresergebnis ihrer Geschichte. Die Gruppe, zu der in Deutschland die Kanäle RTL, Vox, RTL 2, Super RTL und n-tv gehören, kam in den ersten sechs Monaten diesen Jahres vor Steuern Zinsen und Abschreibungen auf ein Ergebnis (Ebita) von 537 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des Krisenjahrs 2009 waren es "nur" 367 Millionen Euro.

Damit hat sich die Branche schneller erholt, als es Gerhard Zeiler, der Vorstandsvorsitzende der RTL Group, erwartet hat. Allerdings lagen die Erlöse mit 2,66 Milliarden Euro trotz der wieder anziehenden Werbeeinbuchungen immer noch unter den Umsatzzahlen der Vorkrisenjahre 2007 und 2008. Dass die Senderfamilie dennoch ein Rekordergebnis erzielte, liegt an dem ehrgeizigen Sparprogramm, das Zeiler 2009 auflegte. Insbesondere Investitionen ins Programm wurden gestrichen.

Dennoch stieg der Marktanteil der meisten RTL-Sender der Gruppe. In Deutschland etwa erreichten die RTL-Kanäle in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 34,8 Prozent. Damit ließen sie die Sender der ProSieben Sat.1 Media AG deutlich hinter sich, die auf einen Marktanteil von 29,6 Prozent kamen. In diesem Jahr soll es keine Sparrunde geben. 2011 wird womöglich wieder mehr ins Programm investiert.

Sollte sich die Konjunkturbelebung als stabil erweisen, wird RTL wohl sein Projekt einer Neudefinition der werberelevanten Zielgruppe weiter vorantreiben. Die Senderfamilie will künftig die 20- bis 59-Jährigen als werberelevant verstanden wissen. Aus gutem Grund: Der durchschnittliche RTL-Zuschauer ist mittlerweile auch schon Ende 40. Bisher lehnt die Werbebranche dieses Vorhaben ab.

Zwar ist laut Zeiler die Entwicklung im vierten Quartal noch nicht abzusehen. Mit einem Einbruch rechnet in der Branche aber kaum einer. "Die Frage ist, ob dieses Jahr für uns gut oder großartig wird", sagt ein hochrangiger Manager der RTL Group. "Schlecht kann es gar nicht mehr werden." Beim RTL-Hauptgesellschafter Bertelsmann weiß man, dass dies auch Gerhard Zeilers Verdienst ist: Sein Vertrag wurde bis 2015 verlängert.