Vergnügliche Bühnenkeilerei

"Robin Hood" am Altonaer Theater setzt mehr auf Kampfeskunst als auf das gesprochene Wort

Hamburg. Fünf Mann gegen einen. Kein Problem für den Haudegen Robin Hood. Gerät der Bogenschütze und Meisterfechter aber doch in Gefangenschaft, kommt dem Schlaumeier die Bande oder das Glück zur Hilfe. Vor vier Monaten hatte Ridley Scotts Film mit Russell Crowe Deutschland-Premiere, nun präsentiert das Altonaer Theater die Heldensaga vom König der Diebe als derb romantische, doch für die ganze Familie taugliche und vergnügliche Bühnenkeilerei.

Die Degen sausen haarscharf am Kopf vorbei. Blitzschnell kreuzen die Kämpfer in braunen Wämsern und Stulpenstiefeln ihre Klingen. Hieb, Parade und Stoß. Püffe, Tritte und Wutgeheul. Robin (Martin Brücker) hat die Schergen des Sheriffs von Nottingham (finster: Matthias Pantel) bezwungen. Er entkommt und erhält spontanen Szenenbeifall - wie jede noch folgende Schlägerei.

Bühnenfecht-Champion Malcom Ranson inszenierte "Robin Hood" auf Basis der mittelalterlichen Balladen in der Theaterfassung des Intendanten Axel Schneider. Anders als in der neuen Hollywood-Version lebt Richard Löwenherz gefangen in Österreich. Robin und die Bande von Little John (ein Kraftkerl mit blonder Matte: Rainer Wolke) wollen ihn mit Lösegeld befreien. Sie stehlen die von den Bauern erpressten Steuergelder und unterstützen das angelsächsische Volk gegen die normannischen Unterdrücker im Sherwood Forest.

Grün leuchtet der Wald in den schwarzen Konturen des holzschnittartigen Bühnenbilds von Sonja Zander. Er verwandelt sich durch Lichtwechsel und einen Tisch hurtig ins Schloss des bösen Prinzen John. Ludger Haninger gibt eine Parodie auf die mit Steuererhöhungen oder -senkungen Wähler ködernden Politiker und wettert gegen die "spätrömische Dekadenz". Oft gerät die Inszenierung an den Rand von Kabarett - oder Kindertheater, wenn der trottelige Reiterhauptmann (Frank Meyer-Brockmann) durchs Publikum hoppelt.

Fechtmeister Ranson lässt außerdem in den Wortduellen die Zügel schleifen. Die Spieler stehen herum und sprechen Text, warten eigentlich nur darauf, sich in die nächste lustige Rauferei zu stürzen. Dann wirken sie lebendig und wach, auch weil sie beim gefährlichen Spaß auf der Hut sein müssen.

Sogar Hofdame Charlotte, die streitbare Vertraute der schönen standhaften Marian (Alexandra Lowygina), greift zum Degen. Die Rolle der gewitzten Rebellin übernimmt ab 3. September Jasmin Wagner für Lena Kussmann. Dann versetzt Ex-"Blümchen" couragiert Fausthiebe oder setzt ihren Gegner mit einem Kuss schachmatt. Versagt die Kraft, helfen die Waffen einer Frau.

Alles in diesem turbulenten Spektakel ist nicht so ganz ernst gemeint. Darum amüsieren sich Erwachsene und auch die Knirpse lautstark über die Gags und Prügeleien und bejubeln schließlich gemeinsam den Sieg des Guten über die Ungerechtigkeit.

Robin Hood bis 18.9., Altonaer Theater, Karten Tel. 39 90 58 70