Ein Soul-König, sein Thron und seine talentierte Prinzessin

Hamburg. All die oft selbst ernannten Könige und Königinnen der populären Musik begnügen sich mit dem Titel, einen Thron lässt sich niemand auf die Bühne schieben. Bis auf Solomon Burke, der "King of Soul". Ein mit rotem Samt bezogenes Ungetüm steht mitten auf der Stadtparkbühne, hier wird der Sänger gleich Platz nehmen. Doch dieser Thron ist nicht arroganter Ausdruck seines musikalischen Königtums, sondern notwendiges Möbel für den 70-Jährigen. Ein Rückenleiden fesselt den schwergewichtigen Afroamerikaner an den Rollstuhl, singen kann Solomon Burke nur im Sitzen. Doch zu hören ist von diesem Handicap nichts. Burke verfügt immer noch über diese kraftvolle und verführerische Stimme, die ihn in den 60er-Jahren weltberühmt gemacht hat, als er für Atlantic Records Hits wie "If You Need Me", "Got To Get You Off My Mind" und das oft gecoverte "Everybody Needs Somebody To Love" aufnahm.

Zwar hat der Mann aus Philadelphia in diesem Jahr mit "Nothing's Impossible" ein bemerkenswertes neues Album herausgebracht, doch sein Hamburger Konzert ist vor allem eine Zeitreise zurück in die 60er-Jahre, als im Süden der USA der Southern Soul entstand und Sänger wie Ray Charles, Sam Cooke und Otis Redding der schwarzen Bevölkerung ihre Stimme gaben. Burke erweist diesen längst verstorbenen Kollegen seine Referenz, indem er Songs wie "Georgia On My Mind", "A Change Is Gonna Come" und "The Dock Of The Bay" in mitreißenden Versionen covert und dabei erstklassig von einer zwölfköpfigen Band unterstützt wird. So klang Soul vor mehr als 40 Jahren, Burke rettet diesen Sound in die Gegenwart.

Dass Soul auch heute noch für junge Künstler attraktiv ist, dafür steht Joss Stone. Die erst 23 Jahre alte weiße Engländerin kann mit ihrer Stimme phrasieren, als würde sie aus dem Süden der USA kommen und nicht aus der Hafenstadt Dover. Solomon Burke preist sie als "Princess of Soul", gemeinsam singen sie die Duette "Grandma's Hands" und "Don't Give Up On Me". Joss Stone ist das Sahnehäubchen auf dieser Melange aus tief empfundenen Liebesliedern, politischen Songs und der optimistischen Lebenseinstellung dieser Soul-Legende. Am Ende verteilen seine Background-Sängerinnen, eine davon Burkes jüngste Tochter Candy, rote Rosen an das Publikum. Blumen der Liebe von einem Künstler, der dieses Gefühl in Dutzenden von Songs besungen hat. Praktiziert hat Burke die Liebe übrigens ebenfalls wie kaum ein anderer: 21 Kinder nennen den Soul-König "Daddy".