Wer seine Nase in alles steckt, wird dran herumgeführt

Der Netz-Navigator führt heute zur "Klatschkritik" einer Hamburgerin im Internet

World Wide Web. Fast jeder liebt Klatsch und Tratsch, auch wenn es viele nicht zugeben mögen. Antje Tiefenthal steht zu ihrer Begeisterung für die Mischung aus mehr oder weniger Prominenten, Modetipps und Einkaufs(ver)führer, die Hochglanzmagazine wie "Gala", "Bunte", "InTouch" oder "Chatter" der stets hungrigen Zielgruppe anbieten.

Aber die Hamburgerin ist nicht nur Leserin, sondern auch Journalistin. Also fallen ihr Ungereimtheiten auf, die anderen entgehen würden. Und sie ärgert sich darüber, wenn mehrere Jahre alte Fotos als neu verkauft werden oder ein Kleid spontan die Farbe wechselt. Und weil der Ärger im stillen Kämmerlein meist nutzlos verraucht, beschloss sie, die gesammelten Fehler und Irreführungen online anzuprangern, und eröffnete im Frühjahr ihr Watch-Blog "Klatschkritik". Gerade die nur mäßig verschleierte Produktwerbung in redaktionellen Beiträgen regt sie auf, in einem Interview mit dem Medien-Portal Meedia bezeichnete sie diese Schleichwerbung als "strategische Leserverarsche".

Skurril wird es, wenn Tiefenthal die Aufbereitung einer Meldung in verschiedenen Magazinen vergleicht. Es ist beachtlich, wie viel Unterschiedliches sich aus der Tatsache ableiten lässt, dass Schauspieler Brad Pitt keinen Bart mehr trägt und seine Ehefrau zu deren Filmpremiere begleitet. Königliche Urlaubsfotos hingegen inspirieren zu erstaunlicher Gleichschaltung: Auf gleich drei Titelblättern lächelte die schwedische Kronprinzessin im Juli.

Der Stoff wird ihr so schnell nicht ausgehen, "jede Woche und in jedem Magazin" bemerkt Tiefenthal Kleineres und Größeres, das sich mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht in Einklang bringen lässt. Und jede Woche beschreibt sie ebenso süffisant wie wortgewandt, wo die Leser mal mehr, mal weniger offensichtlich an der Nase herumgeführt werden sollen.

Das Klatsch-Watchblog: klatschkritik.blog.de