Überkront und blitzeblank

Nach der Generalüberholung der Michel-Orgeln legt Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener nun die erste CD vor

Hamburg. Auf seiner neuen CD serviert Christoph Schoener den Hörern eine ziemlich bunte Mischung. Sie reicht von der barocken Bach-Fuge über spätromantische Schinken von Max Reger und Franz Liszt bis zu Charles Ives - und gibt dem Michel-Kirchenmusikdirektor reichlich Gelegenheit, seine Virtuosität mit Händen und Füßen zu demonstrieren. Aber das war gar nicht die Hauptsache, sagt Schoener. "Es ging vor allem darum, vorzuführen, was die Orgeln können. Und da hab ich dann halt ein bisschen die Zähne gezeigt!"

Diese Zähne sind - um im Bild zu bleiben - frisch überkront und blitzeblank geputzt. Denn im Zuge der Renovierung von St. Michaelis wurden auch die Instrumente generalüberholt. An der großen Orgel blieb der Klang dabei weitgehend unverändert, während die Konzertorgel ein neues altes Gesicht bekommen hat: "Die Pneumatik wurde neu gebaut und das Pfeifenmaterial überarbeitet - jetzt klingt sie wahrscheinlich wieder so wie 1914, als sie entstanden ist." Ihr wunderbar wattig-weicher Sound ist auf der CD bei Werken von Schumann zu erleben.

Und das ist noch nicht alles: "Der Clou ist, dass beide Orgeln jetzt zusätzlich an einem zentralen Tisch zusammen gespielt werden können. Entweder im Dialog, oder in der Mischung. Und die Akustik in St. Michaelis ist durch den relativ runden Raum so fabelhaft, dass die Klänge unten wirklich so zusammenfließen, dass man das Gefühl hat, es erklingt eine Orgel."

Wie perfekt die beiden Instrumente im Kirchenraum miteinander verschmelzen, lässt sich etwa in Max Regers Dankpsalm erahnen - aber auch in der schwerromantischen Orgelsinfonie von Louis Vierne oder den "Variations on America" von Charles Ives, in denen Schoener besonders reizvolle Farbmischungen hervorzaubert; manchmal auch mithilfe des sogenannten Fernwerks: Dank einer raffinierten Konstruktion kann er die Hörer im Michel nämlich auch von oben, aus der Decke, mit musikalischen Klängen beträufeln.

Der zentrale Spieltisch bringt gleich mehrere Vorteile mit sich, wie Schoener erklärt - auch für die Gottesdienste. "Da habe ich die Begleitung der Choräle besser im Griff, weil ich näher dran bin und genauer hören kann - umgekehrt ist die Gemeinde stärker vom Klang eingefangen und singt dann auch besser! Und da man auf der Orgelempore ganz gut erreichbar ist, kommen auch immer wieder Leute und fragen, wie das alles funktioniert. Da ist das Interesse doch deutlich gestiegen!"

Und zwar nicht nur bei den Kirchenbesuchern, sondern auch unter den Kollegen - und die sind durchweg begeistert. Kürzlich war der international renommierte Organist und Orgelprofessor Gerhard Weinberger im Michel zu Gast und schwärmte anschließend in den höchsten Tönen. "Der hat gesagt, das ist das Beste, was er überhaupt bis jetzt in einer europäischen Kathedrale gespielt hat. Und da hab ich gedacht: Donnerwetter!"

Christoph Schoener spielt Werke von Bach, Liszt, Reger, u. a. Motette 13691