Tür auf, Tür zu

Die Premiere von "Außer Kontrolle" setzt in der Winterhuder Komödie auf platten Humor und die Schadenfreude der Zuschauer

Hamburg. Wenn jemand mit dem Gesicht mitten in der Torte landet, eine Tür vor den Kopf bekommt oder sich zu Tode erschrickt, sitzen viele von uns da und jauchzen vor Schadenfreude. Vor allem, wenn die Handelnden nicht gerade Sympathieträger sind. Auch als Parlamentssekretär Kurt Ritgen (Jacques Breuer als bebrillter dummer August) im Winterhuder Fährhaus früh mit beiden Händen in der Sahne landet, biegen sich die Zuschauer vor Lachen.

Diese - zugegeben niederen - Instinkte macht sich der britische Bühnenautor Ray Cooney in seiner Farce "Außer Kontrolle" ausgiebig zunutze. Eine inzwischen drei Jahre alte Produktion (Regie: Martin Woelffer) macht auf ihrer Erfolgstournee nun Halt in der Komödie Winterhuder Fährhaus.

In einer heruntergerockten Hotelsuite des einst so vornehmen Berliner Adlon-Hotels mit Blick auf den Reichstag mietet sich Staatsminister Richard Willy (kühler Kalkulator: Romanus Fuhrmann) ein, um mit Oppositionssekretärin Susi (Viola Wedekind) eine Liebesnacht zu verbringen. Die leidige Parlamentssitzung mit "Angi" will der Polit-Romeo schwänzen. Doch noch ehe Champagner und Austern eintreffen, wird der Fremdgeher empfindlich gestört. Ein unbekannter Mann klemmt offenbar leblos im Balkonfenster.

Sekretär Ritgen, der Mann fürs Grobe, muss ran. Doch bei dem etwas naiv gestrickten Muttersöhnchen liegen bald die Nerven blank. Alle drei Minuten klopft es an der Tür. Um seine Liebesnacht irgendwie noch zu retten, jongliert Willy aufs Abenteuerlichste mit den Handlungsfäden, bis er sich in ihnen vollständig verheddert.

Immer wieder müssen die Personen über den Balkon fliehen, sich im Schrank oder im Badezimmer verstecken. Lange haben wir keine Geliebte so peinlich berührt in ihrem Unterhemd kreischen sehen. Mittendrin und völlig überfordert: der arme Sekretär, gejagt von Susis jaulendem Ehemann, dem Hotelmanager, einer Ministergattin im Liebeswahn und der Krankenschwester seiner Mutter. Die Handlung, platt wie ein Pfannkuchen, ist bald vollständig entgleist, die Charaktere bleiben holzschnittartig. Zu den amüsanteren Momenten zählen die Anspielungen auf die Bundespolitik, wenn der Oppositionsführer "Steinbeißer" heißt oder Willy befürchtet, dass die Kanzlerin den siebten Minister in drei Monaten einbüßt.

In ihrer Tür-auf-Tür-zu-Hektik und den mit Tempo vorgetragenen, aber betulichen Dialogen gewinnt die Inszenierung schon einen fast altmodischen Charme. Als würde man Mr. Bean in einer Episode von vor 20 Jahren zuschauen. Am Ende hat man vielleicht hier und da schadenfroh gelacht, doch es bleibt ein schaler Geschmack zurück. Daran können auch die turboschnell agierenden Darsteller nichts ändern.

Außer Kontrolle bis 12.9.,19.30 (sonntags 18.00), Komödie Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, Karten unter T. 48 06 80 80