Der Herr der Tigerente

Der Zeichner Janosch war gestern zu Gast auf dem Museumsschiff "Rickmer Rickmers"

:: Über manche Menschen entstehen Gerüchte, die sich durch nichts verifizieren lassen. Der Zeichenkünstler Janosch beispielsweise gilt als schwierig. "Jahrelang" müsse man bei ihm auf ein Interview warten, und er würde nur Geschichten erzählen, die gar nicht stimmen. Außerdem sei er meist brummig, schlecht gelaunt. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, wenn man Janosch treffen will, der gestern nach Hamburg auf die "Rickmer Rickmers" kam, um dem Museumsschiff an den Landungsbrücken zwei seiner Bilder zu schenken. Zwei lustige Radierungen, in deren Mittelpunkt das Schiff steht und die nun dort ausgestellt werden.

Und dann trifft man den sehr großen Künstler, der gut gelaunt ist. Reden kann er auch. Leise zwar, doch nicht wenig. "Ich habe gute Erinnerungen an Hamburg", sagt er, "hier wurde ich fast entjungfert. Hatte dann aber noch mal Glück." Ganz ernst ist das meiste wohl nicht gemeint, schließlich soll es ja pointiert klingen. Wie man es von einem Autor erwartet, der über fliegende Onkels schreibt und ein Land, das Margarinien heißt. Janosch, der 79 Jahre alt ist und behauptet, er würde nicht mehr arbeiten, denn das habe ihm noch nie Spaß gemacht, erzählt, dass er viel fotografiert. "Ich schreibe auch gern schräge Sachen." Und dass er aus seinen Bildern kleine Filme am Computer macht. Auf Teneriffa, wo er lebt. Obwohl "meine Heimat das Nirwana ist, aber das will keiner verstehen", sagt er.

Janosch malt gewöhnlich Tiger, Bären und Frösche, die auf zwei Beinen stehen, Tiere, mit menschlichen Eigenschaften und Angewohnheiten. Und natürlich die Tigerente. Die Bilder des Zeichners Janosch sind so bekannt, weil man sie auf Postkarten, Postern, Kalendern, Büchern und TV-Serien sieht. Er hält vieles davon für "Kitsch". Janosch, das ist nicht nur der mit der Tigerente und dem Buch "Oh wie schön ist Panama".

Mehr als 300 Bücher hat er geschrieben und gestaltet. Sie wurden in 40 Sprachen übersetzt, sollen sich mehr als 12 Millionen Mal verkauft haben. "Vielleicht fange ich auch wieder an zu zeichnen", sagt Janosch. "Ich weiß es nicht, habe noch keine Pläne für morgen. Ich brauche das nicht, jeden Tag zu zeichnen. Ich bin ja kein Begeisterungszeichner." Wie er auf all die Figuren gekommen sei, die seine Bilder bevölkern, kann er nicht sagen. "Wenn ich das wüsste! Ich lass es einfach laufen. Manchmal habe ich eine Idee, dann setze ich mich hin und male sie. Geht ja schnell."

Seine Kunstwerke hat er alle auf einem USB-Stick. Auch die Filme, die er daraus mit Musik montiert. Nur ein Bild von ihm hängt zu Hause. "Das ist aber noch nicht fertig, weil ich seit Jahren überlege, was da noch drauf muss." Zuvor hatte sich Joachim Stratenschulte, Vorstand des Museumsschiffes, bei Janosch für die großzügige Schenkung bedankt. "Na", murmelte der Künstler in seinen Schnauzbart, "so großzügig ist das ja nun auch nicht. Zwei Bilder." Mehr noch als Bart und Bilder - so viel Understatement passt zu Hamburg.