Menschlich gesehen

Zug ins Weiße

In ihrem Arbeitszimmer hat die Schriftstellerin Tina Uebel einen Globus stehen. Spezialanfertigung aus Italien, er besteht nur aus zwei Farben. Weiß sind die Flächen, in denen die 40-Jährige aus St. Pauli noch nicht war, rot die von ihr bereisten. Man denkt: "Da ist aber viel Rot!"; sie sagt: "Da ist noch schrecklich viel Weiß!" Sie wird jetzt zügig oder eben nicht (kommt ganz auf die Perspektive an) etliche Stellen rot einfärben. Uebel fährt seit Freitag mit dem Zug in Richtung Shanghai. Über Bulgarien, Türkei, Iran, Usbekistan, Kasachstan. Dauer der Reise: sieben Wochen. Mutig, findet sie selbst.

Früher war sie mal Grafikerin und Illustratorin, seit sie als Schriftstellerin ("Frau Schrödinger bewältigt die Welt") arbeitet, ist das Befahren der Welt von existenzieller Wichtigkeit. Ihre Mutter zu Hause, Tina Uebel wuchs in Volksdorf auf, dürfte sich weniger Sorgen um die abenteuerlustige Tochter machen, wenn sie als Literaturveranstalterin in Hamburg auftritt. Was die "MACHT-Club"-Macherin oft tut. Der Trip nach Fernost hatte sie kurz vor der Abreise unruhig schlafen lassen, Ablenkung fand sie durch eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: Tango tanzen an der Elbe. Über ihre Reise berichtet sie auf ihrem Internet-Blog, am meisten Respekt hat sie: vor der erzwungenen Enthaltsamkeit in Nichtraucherzügen.