Ein Medium, wie es sein soll

Der Netz-Navigator führt heute mit dem Weblog "Spreeblick" zu Kunst, Kultur und Politik aus der Hauptstadt

World Wide Web. "Guten Morgen!", "Read on my dear ..." - Längst nicht jede Webseite ist so freundlich wie das Berliner Weblog "Spreeblick" ( www.spreeblick.com ).

Dort wird man jeden Morgen mit einem Musikvideo begrüßt und stets auf das Höflichste zum Weiterlesen aufgefordert. Und was die Manieren versprechen, hält auch der Inhalt. Schon 2006 stellte die Jury des Grimme Online Awards fest: "Spreeblick zeigt für den Bereich der deutschsprachigen Weblogs, wozu das Genre im besten Fall fähig ist." Dafür gab es den Award in der Kategorie "Spezial".

Denn in eine Schublade pressen lässt sich Spreeblick nicht. Politische Beiträge stehen neben Glossen, die Fußball-WM wird ebenso kommentiert wie das neue iPhone. Für seine kritischen Texte wurde Gründer Johnny Haeusler bereits oft von Kollegen und "alten" Medien gelobt. Und von den Gescholtenen vor Gericht zitiert. Letzteres ist wohl auch eine Art der Anerkennung.

Ohne gerichtliche Konsequenzen für ihn blieb Haeuslers Stellungnahme zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Sie sorgte aber für großes Aufsehen, denn der Berliner war Schüler am Canisius-Kolleg. Das Bekanntwerden von zahlreichen Missbrauchsfällen an dieser Schule führte zu dem Skandal, der seit Anfang des Jahres immer weitere Kreise zieht.

Zu den Texten des großen Autorenteams gesellen sich verschiedene Video- und Podcasts. Der "Selbstauslöser" beispielsweise. Ein Interview ohne Fragen, ohne Interviewer. Mit der Kamera als Gesprächspartner redet unter anderem der ehemalige Moderator Nils Bokelberg über Sammelbildchen, Musiker Bene Aperdannier über Jazz und Schauspielerin Inga Dietrich über James Joyces "Ulysses".

Man kann sich auf der Seite verlieren, stundenlang stöbern, lesen, zuschauen und -hören. Ein Blog, wie Blogs sein sollten. Vielfältig, immer neu und trotzdem eine Konstante.