DVD-Neuerscheinung

Endlich: heiliges Haareschneiden für zu Hause

Foto: AT Medien

Patrice Lecontes Meisterwerk "Der Mann der Friseuse" ist auf DVD erschienen

DVD. Manchmal lohnt es sich, alte Werke neu zu entdecken. So ein Fall ist Patrice Lecontes Melodram "Der Mann der Friseuse" von 1990, das nun in Deutschland endlich auf DVD erscheint. Es ist ein Film, wie ihn vielleicht nur die Franzosen drehen können. Weil sie Schauspielerinnen wie Emmanuelle Béart und in diesem Fall Anna Galiena haben, die pure Sinnlichkeit und Laszivität verkörpern, ohne dabei lachhaft zu wirken. Weil nur ihnen das Kunststück gelingt, aus einer Mann-Frau-Zweisamkeit und einem Nichts an Handlung einen wunderschönen Film zu zaubern. Die Frau ist Muse, süßes Versprechen, verführerisches Geheimnis. Der Mann ein kopflos verliebter Tölpel. Die Kombination mag vielleicht nicht (über)lebenstauglich sein, dafür ist sie umso ansehnlicher. Schon in "Intime Fremde" mit Sandrine Bonnaire und "Das Parfum von Yvonne" hat Leconte Eros und Ironie geschickt verbunden. So auch hier. Die Amour fou zwischen Mathilde (Galiena) und dem knopfäugigen Antoine (Jean Rochefort) ist so tragisch wie ausgelassen, so ernst wie kindisch. Da passt es, dass für den Protagonisten schon als kleiner Junge feststand, dass er einmal eine Friseuse heiraten würde - und als er schließlich vor der Frau steht, kann er sich kaum einkriegen vor Glück, solch ein absolut prachtvolles Wesen gefunden zu haben.

Wie eine heilige Handlung wird das Haarewaschen in "Der Mann der Friseuse" zelebriert, den Akt des Haareschneidens lässt die Kamera, die Antoines Blick folgt, wie die faszinierendste Wissenschaft auf Erden aussehen. Nach Feierabend mixen die Verliebten aus alkoholhaltigen Rasierwässerchen bunte Cocktails - eine herrlich durchgeknallte Szene.

Es ist kein Platz in diesem Film für klärende Beziehungsgespräche und zermürbenden Pärchenalltag, kurz: für Normalität. Dennoch erzählt der nur 75-minütige Film von großen Dingen: der Unerfüllbarkeit der Liebe, der Endlichkeit der Leidenschaft. In diesem Fall währt sie nur so lange, bis Mathilde sich eines Tages von der Brücke stürzt - aus Liebe. Antoine muss nicht in Trauer versinken, er macht einfach dort weiter im Friseursalon, wo seine Frau aufgehört hat. Mit der Gewissheit, das ganz große Glück erlebt zu haben.

++++- Der Mann der Friseuse 75 Minuten, ab 12 Jahren, Extras: Interview mit Patrice Leconte, Kurzfilm "Die glückliche Familie"