Post-Hardcore: Alexisonfire

Tränendrüsen und Tattoos lügen nicht

Foto: Hi Life

Alexisonfire aus dem kanadischen St. Catherines verbinden am 27. Juni im Gruenspan wüste Riffs mit melancholischen Melodien.

Howard Wolowitz (Simon Helberg), ein Charakter aus der US-TV-Serie "The Big Bang Theory", hat ein Problem: Sein Libidometer steht permanent auf DefCon 1 - maximale Einsatzbereitschaft. Um zum Beispiel ein Mädchen, ein "Kind der Nacht", aus der Gothic-Szene ins Bett zu kriegen, tarnt er sich nicht nur mit "Tatt-Sleeves" (Nylon-Überzieher für die Arme mit Tattoo-Muster), er will sich sogar einen Totenkopf auf den Hintern stechen lassen. Doch schon beim Desinfizieren seines Hinterschinkens schreit er vor Schmerzen und flieht. Was für ein Emo ...

Seit zehn Jahren ist Emo dem Klischee nach die subkulturelle Schublade (und Schimpfwort) für junge Menschen, die düster-weinerliche und androgyne Sinnlichkeit als Lebensgefühl nach außen tragen, optisch angezeigt durch schiefe Scheitel mit Augenvorhang, viel Kajal, körperbetonten Röhrenjeans und schwarz-weiß gewürfelten Converse-Turnschuhen.

Und musikalisch dreht sich alles um Mainstream-Bands wie Jimmy Eat World oder Dashboard Confessional und diverse Vertreter aus dem Hardcore- und Screamo-Bereich, die meist unfreiwillig das "Emo"-Label von Kritikern oder Konsumenten aufgepappt bekommen haben. Weil man ja einen Hang zur melodramatischen Melodik erkannt habe.

Alexisonfire aus dem kanadischen St. Catherines, Ontario, hat seit 2001 auch schon so manchen Emo-Stempel kassiert. Dabei sind George Pettit, Dallas Green, Wade MacNeil, Chris Steele und Jordan Hastings schon optisch weit von jedem Emo-Dresscode entfernt: Kanadische Zausel, die ihre Band nach einem Porno-Sternchen (Alexis Fire) benannten. Nicht sehr emo. Auch musikalisch wird auf den vier Alben "Alexisonfire" (2002) "Watch Out!" (2004) "Crisis" (2006) und "Old Crows/Young Cardinals" (2009) bei aller Melodiösität lieber abgeholzt. "Eine Messerstecherei zwischen zwei katholischen Highschool-Mädchen" nennt Alexisonfire den Post-Hardcore-Sound, der nicht umsonst im Vorprogramm von Billy Talent und Anti-Flag zu hören war.

Wer sich ein Alexisonfire-Tattoo hat stechen lassen, soll auf Anfrage bei ihren Konzerten freien Eintritt bekommen - Tatt-Sleeves zählen nicht.

Alexisonfire So 27.6., 19.00, Gruenspan (S Reeperbahn), Große Freiheit 58, Karten zu 19,90 im Vvk.; www.theonlybandever.com