Klangliche Wärme, hinreißendes Zwiegespräch

Hamburg. Stell dir vor, die Berliner Philharmoniker kommen, und keiner geht hin. Die Elbphilharmonie-Konzerte müssen einige Klimmzüge veranstaltet haben, um den Großen Saal zu füllen für ihr Saisonabschlusskonzert, das zugleich Abschiedsvorstellung der Bratscherin und Artist in Residence Tabea Zimmermann sowie Wiederkehr der Berliner Philharmoniker nach fünf Jahren war: Es gab verbilligte bis stark verbilligte Karten. Das Publikum feierte die Künstler mit Applaus, zwanglosem Räuspern oder Bonbonauswickeln.

Immer wieder führte das Orchester unter der Leitung von Semyon Bychkov vor, zu welch klanglicher Wärme, Fülle und Homogenität es in der Lage ist. Bychkovs weiche Handbewegungen brachten das duftige Gewebe von Maurice Ravels klingendem Grabmal "Le Tombeau de Couperin" mal zum Schweben und mal zum Flirren und gelegentlich auch ins Wackeln.

Bela Bartoks Bratschenkonzert geriet zu einem hinreißend natürlichen Zwiegespräch zwischen Solistin und Orchester: beseelt und auf die musikalische Aussage konzentriert noch in den halsbrecherischen Passagen. Leider trat der von Natur aus eher leise Bratschenton allzu oft hinter das Tutti zurück.

Johannes Brahms' Zweite Sinfonie interpretierte Bychkov atmosphärisch dicht und farbenreich. Mochten auch rhetorischer Gehalt und die bisweilen verwickelte Vielstimmigkeit in dieser Deutung keinen Platz finden, sie überzeugte durch das, was weltweit als Stärke dieser Luxuskarosse unter den Orchestern gilt: die klangliche Subtilität. Großer Jubel. Nur keine Zugabe.