Berlin-Umzug bringt dpa erstmals in die Verlustzone

Hamburg. Der Umzug der Redaktion der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von Hamburg nach Berlin beginnt so richtig erst nächste Woche. Doch schon jetzt hat er Spuren hinterlassen - und zwar in der Bilanz von dpa. Die 7,7 Millionen Euro, die der Standortwechsel die Agentur kostet, wurden bereits 2009 verbucht, was zur Folge hat, dass dpa im vergangenen Jahr erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen geschrieben hat. Der Verlust belief sich auf 3,8 Millionen Euro.

Auch der Umsatz entwickelte sich rückläufig. Statt wie im Vorjahr gut 94 Millionen Euro erlöste die Agentur 2009 nur gut 90 Millionen Euro. Mit dem Umzug hat das aber nichts zu tun. Der Umsatzrückgang ist darauf zurückzuführen, dass die Essener WAZ-Gruppe, einer der größten deutschen Zeitungsverlage, bei fast allen ihren Blättern seit 2009 auf die Dienste von dpa verzichtet. Seither ist aber kein Verlag dem Beispiel der Westdeutschen gefolgt. Für 2010 rechnet dpa allerdings abermals mit einem Defizit - diesmal wegen eines neuen Redaktionssystems, das gerade in Betrieb genommen wird. 2011 soll die Agentur dann wieder schwarze Zahlen schreiben.

Der Umzug ist in der dpa-Führung unumstritten. Geschäftsführer Malte von Trotha spricht von einem "historischen Jahr", weil nun in Berlin alle Redaktionsteile, auch die bisher in Frankfurt beheimatete Bildredaktion, zusammengeführt werden. Insgesamt sind 218 dpa-Mitarbeiter vom Umzug betroffen, davon etwa 170 in Hamburg. Die Zahl der umzugsunwilligen Redakteure gibt dpa mit 64 an. Für Hamburg gibt es keine offiziellen Zahlen. In Unternehmenskreisen ist aber von gut 30 Mitarbeitern die Rede, die Abfindungsangebote angenommen hätten, in eine Transfergesellschaft oder auf einen anderen Arbeitsplatz bei dpa wechseln würden. 350 Mitarbeiter bleiben in Hamburg. Sie arbeiten in der Verwaltung für die IT oder bei der PR-Tochter News Aktuell.