Kunst auf dem Kiez

Das St.-Pauli-Museum will populärer werden

Mit neuen Ausstellungen will das St.-Pauli-Museum auf dem Kiez populärer werden. Die erste Schau gilt dem Varieté-Star Sylvin Rubinstein.

Hamburg. Papageienbunt ist das lange Kleid mit aufgenähten Stoffblumen, Rüschen und Spitzen, das die Museumsassistentin Gianna Niem trägt. Eigentlich etwas für den ganz großen Auftritt. Und tatsächlich: Einen Schritt darin vor die Tür auf die Davidstraße, schon bleiben manche Menschen stehen. Im Kleid der 22-Jährigen steckt der Stoff der fast 100-jährigen Geschichte eines Mannes, der darin sein Leben tanzte: Sylvin Rubinstein, jüdischer Widerstandskämpfer aus Polen. Ein Variété-Star, der in den 20er-Jahren rauschende Erfolge feierte, und vor allem: ein Tänzer, der mit der Bühnenfigur "Dolores" und den papageienbunten, selbst geschneiderten Flamencokleidern später auch auf St. Pauli bekannt wurde.

"Ich habe gegeben mein Herz an die Füße" - so beschrieb er sein Leben. Die größten Erfolge hatte er mit seiner Zwillingsschwester Maria gefeiert, die später im Warschauer Getto ermordet wurde. Rubinstein übernahm ihre Rolle und tanzte, um mit dem Verlust leben zu können. Vor einem Jahr starb der sanfte Tänzer mit 97 Jahren.

"Ich habe gegeben mein Herz an die Füße", so lautet auch der Titel der Ausstellung, mit der das St.-Pauli-Museum sein neues Programm startet. Rubinstein ist nur einer der großen Namen, mit denen das Museum populärer werden will. Weitere sollen in diesem Jahr folgen.

Das Museum wurde völlig umgekrempelt und hat eine renovierte Website. "Wir sind offener geworden", sagt die neue Geschäftsführerin Ina Huber. Das betreffe nicht nur den neu gestalteten Eingangsbereich, ergänzt Eva Decker, wissenschaftliche Leiterin des Hauses: "Wir erzählen Anekdoten und Döntjes von Menschen, bieten aber auch viele Hintergrundinformationen."

Neben Sonderausstellungen wird Bewährtes aus der Chronik des Stadtteils präsentiert. Wer nach dem Museumsbesuch einen St.-Pauli-Bummel startet, der soll dann "einen historischen Hintergrund ablaufen können", sagt die Museumsleiterin. Schließlich habe das von der Kulturbehörde anfangs mit 190.000 Euro geförderte Haus einen Bildungsauftrag. "Offener werden heißt auch, dass wir regelmäßig abends öffnen: für Sonderveranstaltungen, Lesungen oder auch für das Reeperbahn-Festival."

Das neue Konzept "Aus Geschichten wird Geschichte" soll auch mehr Touristen locken. So möchte Ina Huber den vielen auswärtigen Besuchergruppen, die über den Kiez geführt werden, etwas bieten. "Die Kurverwaltung schaut schon regelmäßig vorbei, da ist der Museumsbesuch in der Pauschale mit drin."

Seit der Eröffnung im Oktober 2010 kamen monatlich 1500 Besucher. "Das ist schon ganz gut, aber es müssen mehr werden", sagt Museumsgründer und St.-Pauli-Fotograf Günter Zint. Im Rahmen der Ausstellung über Sylvin Rubinstein hängen daher nicht nur Kleider aus dem Nachlass auf Figurinen. Am Montag liest Kuno Kruse aus seiner Rubinstein-Biografie. Und im Mai setzt das Museum wieder auf einen großen Namen - da wird Günter Zint selbst zum Thema: "Mehr als ein Kiezfotograf." Später folgen Themen wie der Wandel des Spielbudenplatzes, "Stolpersteine auf der Vergnügungsmeile", das Thema Boxen und Sportstars.

St.-Pauli-Museum (S Reeperbahn), Davidstr. 17, Di, Mi 11.00-19.00, Do-Sa 11.00-22.00, So 11.00-18.00, Mo geschlossen, Eintritt 5,-/erm. 4,-, Führungen nach Anmeldung (ab 5 Personen) 7,50; www.kiezmuseum.de