Kinostart: 9. Februar

"Hugo Cavret": Über den Gleisen von Paris

| Lesedauer: 3 Minuten
Holger True

Martin Scorseses Abenteuerfilm "Hugo Cabret" ist eine Liebeserklärung an das Kino. Für elf Oscars nominiert, hätte jeden verdient.

Wer das Kino liebt, sich nur zu gern an überbordende Bilder und eine fantastische Geschichte verliert, muss diesen Film sehen. Schon die Eröffnungssequenz lässt daran keinen Zweifel. Hoch über den Dächern des nächtlichen Paris beginnt eine spektakuläre 3-D-Kamerafahrt, die in den Bahnhof Montparnasse führt und schließlich auf dem Gesicht des zehnjährigen Hugo (Asa Butterfield) endet, der durch das Ziffernblatt einer riesigen Uhr schaut.

Der Junge lebt in den Katakomben des Bahnhofs und hält die diversen Uhren am Laufen, zieht auf, ölt, repariert. Ganz allein, seit sein Vater bei einem Brand ums Leben gekommen ist. In den Geschäften zwischen den Gleisen versorgt Hugo sich per Mundraub mit dem Nötigsten, immer verfolgt vom strengen Bahnhofsvorsteher (Sacha Baron Cohen), der ihn in ein Waisenheim verfrachten will. Und dann ist da noch der Ladenbesitzer Georges (Ben Kingsley), ein verbitterter alter Mann, der den Jungen eines Tages beim Diebstahl erwischt und dessen wertvollsten Besitz an sich nimmt: ein Notizbuch mit seltsamen Konstruktionszeichnungen, das Hugo von seinen Vater bekommen hat und das offenbar bei Georges schmerzhafte Erinnerungen weckt ...

Dieser Georges ist nämlich kein Geringerer als Georges Méliès, der Erfinder des fantastischen Kinos, ein Pionier der Filmgeschichte, der bis 1912 etwa 500 Filme drehte, dann aber in Vergessenheit geriet. Große Teile des Materials wurden eingeschmolzen und zu Schuhabsätzen verarbeitet. Nicht nur vom kleinen Hugo, sondern auch von diesem legendären Georges Méliès und seiner Wiederentdeckung erzählt Martin Scorsese in dieser Kinderbuchverfilmung, die den 3-D-Effekt ganz in den Dienst der Geschichte stellt und auch Erwachsene begeistern dürfte.

Zum Beispiel weil Scorsese, dieser emphatische Archivar der Kinogeschichte, brillant zitiert. So ist Méliès' berühmtes "Le Voyage dans la Lune" zu sehen, in der ein Auge des Mondes von einer Rakete getroffen wird, aber auch die angsterfüllte Reaktion des Publikums auf den Kurzfilm "L'arrivée d'un train en gare de La Ciotat" der Brüder Lumière - ebenfalls aus den Anfangstagen des Kinos. Und irgendwann hängt Hugo am Zeiger der großen Bahnhofsuhr: wie Stummfilmstar Harold Lloyd 1923 in "Safety Last!".

Ein Füllhorn der Anspielungen, Verweise und ganz direkten Bezüge schüttet Scorsese aus in dieser Liebeserklärung an das Kino und die Fantasie, die für elf Oscars nominiert ist. Und jeden einzelnen verdient hätte.

Bewertung: empfehlenswert

Hugo Cabret USA 2011, 126 Min., ab 6 J., R: Martin Scorsese, D: Asa Butterfield, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Chloë Moretz, täglich in den Cinemaxx- und UCI-Kinos; www.hugocabret.de