Perle der Woche

"Sounds of Israel": Der Klang des Orients

Foto: Ronen Akerman

Vom 11. bis 19. Februar pulsieren vielfältige "Sounds of Israel" durch die Stadt. Hörenswürdigkeiten von Klassik über Folk, Jazz, Pop und Dance.

Vor noch gar nicht so langer Zeit hätte man Festivalmacher, die sich allein auf die geografische Neugier ihres Publikums verlassen, leichtsinnig genannt. Die Demarkationslinien zwischen Stilen und Ausdrucksformen, auch zwischen den Codes der jeweiligen Zuhörergruppen waren noch zu hoch, als dass jemand, der, sagen wir, finnische Kammermusik mochte, auch zum Besuch eines finnischen Club-Abends zu bewegen gewesen wäre. Das ist, der Postmoderne sei Dank, inzwischen anders. Selbst die Länderschwerpunkte des ehemals auf Klassik abonnierten Schleswig-Holstein Musik Festivals haben sich inzwischen allen musikalischen Genres geöffnet.

Auch den "Sounds of Israel", die die Elbphilharmonie-Konzerte jetzt erstmals veranstalten, kommt so etwas wie klingende Fremdenführerschaft zu; eine Woche lang kann das Hamburger Publikum auf Ohrenreise durch den Vorderen Orient gehen, ohne die Stadtgrenzen zu verlassen. Hörenswürdigkeiten von Klassik über Folk, Jazz, Pop und Dance harren der Entdeckung durch ein ausgehfreudiges Publikum ohne akustische Scheuklappen.

Israel ist geprägt von seiner einzigartigen Geschichte und von andauernden Konflikten. So beharrlich Juden und Araber sich hier politisch und mit Waffengewalt bekämpfen, so unermüdlich sind die Versuche von Künstlern, insbesondere von Musikern, durch gemeinsames Tun Grenzen zu überwinden und geerbte Feindschaften zu beenden. So bietet "Sounds of Israel" gleich mehrere Projekte auf, die den interreligiösen und interkulturellen Dialog vorzugsweise am Notenpult oder in der gemeinsamen Improvisation pflegen. Das Klavier-Duo Amal (15.2., Miralles Saal), das überwiegend Musik des 20. und 21. Jahrhunderts spielt, besteht aus einem palästinensischen und einem israelischen Pianisten. Das Ensemble Shesh Besh (16.2., Fabrik) setzt sich aus Mitgliedern des Israel Philharmonic Orchestra und arabisch-christlichen respektive. muslimischen Musikern zusammen. Das wirkt sich natürlich auf Sound und Repertoire aus - Violinen erklingen neben der Oud, Klarinetten neben der Schilfrohrflöte Ney.

Eine weltoffene Generation

Symposium zur kulturellen Szene Israels

Zeitgenössische israelische Kammermusik bringt das Ensemble Meitar mit (13.2., ehemalige Talmud-Tora-Schule), während eine Delegation des Jerusalem Chamber Music Festivals, das Daniel Barenboims Ehefrau Elena Bashkirova vor 14 Jahren ins Leben rief, den Abend überwiegend Mozart widmet. Im Sextett um die Pianistin ist auch der Sohn Michael Barenboim an der Violine zu hören (18.2., Laeiszhalle).

Jahrhundertealte Poesie und Melodien der sephardischen und chassidischen Juden bilden das Spielmaterial der Gruppe Tafillalt, die vor ihrem Konzert am 19.2. in der Kulturkirche Altona überdies zu einem Offenen Singen lädt (17 Uhr). Anschließend bietet der Oudspieler Yair Dalal mit seinem Programm "One Night In The Desert" den meditativen Kontrapunkt zu den Club-Grooves, die am Vorabend Shlomi Aber und Chaim, zwei DJs aus Tel Aviv, zelebrieren (18.2., Uebel & Gefährlich).

Avishai Cohen wurde in den 90er-Jahren als furchterregend kraftvoller Melodiker am Kontrabass in Chick Coreas Bands bekannt. Seit vielen Jahren arbeitet er an einer Synthese aus levantinischer Musik und Jazz; während er auf dem Bass ackert, singt er seine imaginär-folkloristischen Melodien, oft in krummen Takten oder mäandernden rhythmischen Formen. Hier spielt er im Trio mit einem Pianisten und einem Bassisten (12.2., St.-Pauli-Theater).

Der über alle niedrig gewordenen Grenzen zwischen Genres und kulturellen Zugehörigkeiten hinweg klangvollste Name der israelischen populären Musik eröffnet das Festival: Noa. Die schmale, schöne Sängerin mit der großen, schönen Stimme kommt mit Songs aus "Shirei Eretz Yisrael", dem identitätsstiftenden Kompendium israelischer Lieder. Dabei wird sie von ihrem Lebensgefährten Gil Dor an der Gitarre und einem Perkussionisten begleitet - sowie von den Hamburger Symphonikern. Mondäner Pop, großes Kino.

Sounds of Israel Eröffnung: Noa u. die Hamburger Symphoniker, Sa 11.2., 20.00, Kampnagel (Bus 172, 173) Jarrestr. 20, Karten zu 16,- bis 38,- unter T. 35 76 66 66, Festival bis So 19.2., alle Termine und Spielorte im Internet: www.sounds-of-israel.de

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