Wie Kunst gerettet wird

Eine Ausstellung zeigt die Arbeit von Restauratoren

Hamburg. Manchmal meint es die Zeit nicht gut mit Kunstwerken. Werden sie unsachgemäß behandelt oder falsch gelagert, werden sie einem zu hohen Maß an Licht oder an Feuchtigkeit ausgesetzt, nehmen sie Schaden und können im schlimmsten Fall für immer verloren gehen. Für Restauratoren ist der Umgang mit beschädigten Kunstwerken Alltag, aber es kommt schon vor, dass sie diesen mit mehr als nur professionellem Interesse begegnen.

Als die Hamburger Restauratorin Geertje Foth vor fünf Jahren zur Arthur-und-Georgie-Illies- Familien-Stiftung nach Lüneburg gerufen wurde, zeigte man ihre eine Mappe, die die Aufschrift "Ruinen" trug. Darin befanden sich etwa zehn Gemälde des Hamburger Künstlers Arthur Illies (1870-1952), deren Zustand wirklich außerordentlich beklagenswert war.

"Sie hatten Knicks, Beulen, Deformationen und Fehlstellen, was größtenteils Resultat einer falschen Lagerung gewesen ist", erinnert sich Foth, die die Gemälde dennoch mit wachsender Faszination betrachtete. Denn hier zeigte sich ein weithin unbekannter Arthur Illies. "Ich sah nicht die populären Landschaften, sondern außergewöhnliche Porträts, figürliche Arbeiten und Interieurs vor mir, die manchmal fast expressionistisch oder gar kubistisch anmuteten", sagte die Restauratorin, die sich entschloss, diese Werke vor der Zerstörung zu bewahren.

Was daraus geworden ist, zeigt eine außergewöhnliche Ausstellung, die von heute an unter dem Titel "Gerettet!" in der Handelskammer gezeigt wird.

Geertje Foth sichtete die beschädigten Bilder bei der Stiftung in Lüneburg, fotografierte sie und stellte sie später in Vorträgen interessierten Kunstfreunden vor, die sie für "Patenschaften" gewinnen wollte. Verkäuflich sind die Bilder grundsätzlich nicht, aber in Absprache mit der Stiftung entwickelte die Restauratorin das folgende Modell: Ein Pate finanziert die Restaurierung eines Illies-Gemäldes, was zwischen 4000 und 14 000 Euro kostet. Dafür darf er es anschließend als Leihgabe zu sich nehmen.

In der Ausstellung sind zwölf Illies-Gemälde zu sehen, die dank dieser Patenschaften gerettet werden konnten. Dort hängen aber weitere 14 Bilder, die nicht restauriert wurden und noch auf "Paten" warten. Mit den Davor- und Danach-Zuständen wird auch dem Laien deutlich, was Restauratoren konkret machen. Und auch welche Methoden sie anwenden und welche Materialien sie nutzen, zeigt diese Schau, in der zum Beispiel anschaulich erklärt wird, wie sich malträtierte Bildträger "planieren" lassen.

Montags und mittwochs, wahrscheinlich aber auch an weiteren Tagen, werden Geertje Foth und zwei ihrer Mitarbeiterinnen vor Ort sein, Fragen der Besucher beantworten und über Arbeitstechniken der Gemälderestaurierung Auskunft geben. Und es gibt noch einen speziellen Service: Wer will, kann beschädigte Gemälde, Bilderrahmen oder Holzskulpturen aus eigenem Besitz mitbringen und sie begutachten lassen. "Wir untersuchen die Objekte, informieren über die Schäden und darüber, wie sie behoben werden könnten. Außerdem können wir schätzen, was die jeweilige Restaurierung kosten würde", sagt Geertje Foth.

"Gerettet! Kunst und Technik des Restaurierens am Beispiel früher Gemälde von Arthur Illies", Handelskammer, Adolphplatz 1, Mo-Do 9.00-17.00, Fr 9.00-16.00. Der Eintritt ist frei