Kriegsdrama "Verbrennungen" setzt auf die Wucht der Worte

Hamburg. Als die Wahrheit ans Licht kommt, herrscht plötzlich Finsternis: ein deutliches szenisches Zeichen. Es erspart den Schauspielern, Schrecken zu mimen. Konradin Kunze setzt in seiner kühl-sachlichen, doch eindringlichen Inszenierung von Wajdi Mouawads Kriegsdrama "Verbrennungen" im Malersaal auf die Zuschauer-Fantasie und die Wucht der Worte. Er erspart sich Video- und Explosionseffekte, gibt dem starken Ensemble und seinen Erzählungen Raum.

Die Geschwister Jeanne (Angelina Häntsch) und Simon (Jonathan Müller) begeben sich wie König Ödipus auf die Suche nach ihrer Herkunft. Anstelle des delphischen Orakels schickt ihre tote Mutter, die den Zwillingen Briefe hinterlassen hat, sie auf den Weg. Parallel dazu erzählt Mouawad auch die Geschichte zweier Freundinnen, die durch dick und dünn gehen. Mutter Nawal (Juliane Koren) lehrt Sawda (Christine Ochsenhofer) das Lesen und Schreiben, von Sawda lernt Nawal zu singen. Sie wird zur Frau, die singt, die den Chef der Milizen tötet und in Haft gerät. Im Gefängnis schwängert sie ihr Folterer (Florens Schmidt), der sich als ihr erster verlorener Sohn entpuppt. Der Vater der Zwillinge ist ihr Bruder.

Konradin Kunze hat Mouawads poetisch bildstarke, doch oft ausschweifende Sprachbilder und motivische Wiederholungen im Text gekürzt, konzentriert sich auf die klarlinige Auffächerung der verschlungenen, sich szenisch wie zeitlich überlappenden Handlungsfäden. Léa Dietrich baute einen offenen Bühnenraum, um den die Zuschauer hufeisenförmig nah am Geschehen sitzen. Er ist halb Baustelle, halb Kriegsruine, überdacht von einer Plane, die auch Teil eines Segels oder Zelts sein könnte für diese unter die Haut gehende Reise zwischen den Kontinenten und durch die Zeiten.

"Verbrennungen" 30., 31.1., 19.00, 1.2.,. 11.00, 24.2., 19.00, 25.2., 20.00, Malersaal im Schauspielhaus, Karten: T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de