Premiere in Hamburg

"Quijote": Ein Ritter von bezaubernder Gestalt

Regisseur Stefan Pucher übersetzt Miguel de Cervantes "Quijote" am Thalia-Theater in Hamburg in einen fantastischen "Trip zwischen Welten".

Hamburg. Dieser Ritter ist eine Wucht. Da kann kurz vor der Premiere das Inspizientenpult versagen, wie von Zauberhand, ging die Uraufführung des Projektes „Quijote. Trip zwischen Welten“ von Stefan Pucher reibungslos über die Thalia-Bühne. Auf einer sowohl Videos als auch das Geschehen spiegelnden Prisma-Bühne gibt Jens Harzer den Idealisten Quijote als Freidenker, dem das Ideal des Guten aus jeder Pore quillt und der im Namen von Ritterwerten sanft gegen die Welt randaliert. Flankiert wird er bei seinen Abenteuern von einem anrührend zurückhaltenden Bruno Cathomas als Kumpel Sancho Panza.

+++ Erobique: Manchmal darf's auch ein Klischee sein +++

+++Bretter, die die Welt neu deuten +++

Das reitende Duo spiegelt sich in dem Musikerduo Carsten „Erobique“ Meyer und Ben Shadow, die unter anderem mit einer tollen Slow-Motion-Version von „Das ist nicht Amerika“ nach David Bowie aufwarten. Klug hat Pucher den Cervantes-Text um einige Auftragsarbeiten von Diedrich Diederichsen, Roland Schimmelpfennig oder Juli Zeh ergänzt. Da redet sich Gabriela Maria Schmeide als Wutbürgerin in Rage und will Politiker ins Dschungelkamp sperren, damit sie per SMS abwählbar seien. Da deliriert sich Daniel Lommatzsch in einen Unsinns-Monolog über ein amerikanisches Rentnerpaar, das sich per Selbstschussanlage ins Aus befördert hat. Momente der Gegenwart blitzen auf. Und machen „Quijote“ als gelebte Metapher des fahrenden Ritters in universeller Mission greifbar.

Pucher, der sich hier einmal mehr als Könner eruptierender Visionen erweist, lässt die Figuren alle Attribute des „Wahns“ ausleben. Und am Ende dieses wundervollen Abends glaubt man daran, dass eine bessere Welt tatsächlich möglich ist.