Tanzperformance

Die Muttersprache der Bewegung: Das Tanzen

Foto: Swen Eric Scheuerling / Swen Eric Scheuerling/Ulrike Steffel

Victoria Hauke zeigt ihre neue Tanzperformance im Fleetstreet - Obwohl sie sonst auch gerne in Schaufenstern und Kinos tanzt.

Fleetstreet. Englisch ist schon eine tolle Sprache. Die Engländer haben nicht nur unheimlich viel mehr Wörter als wir, viele von ihnen bedeuten auch gleich noch mehrere Sachen auf einmal. Deviation zum Beispiel. Das Wort taucht im Titel der neuen Tanzperformance von Victoria Hauke auf, die heute im Fleetstreet-Theater Premiere hat. Die Internetseite leo.org, Retterin bei Übersetzungsfragen in vielen Sprachen, nennt gleich 16 Bedeutungen von Deviation - von Ablenkung über Hub und Umleitung bis Umschweife.

Was also könnte "fluid acts of deviation" bedeuten? Flüssige Umschweifshandlungen? Fließende Hub-Akte? Geschmeidiges Umleitungstun? All das - und nichts davon, denn Victoria Hauke liebt das Vielschichtige tausendmal mehr als das Eindeutige. Deshalb kommt ihr das Englische ja so gelegen. Gemeinsam mit ihrem Tanz- und Choreografiepartner Philipp van der Heijden hat sich die in der freien Szene bekannte Tänzerin Hauke mit dem beschäftigt, was Bewegung - Muttersprache des Tänzers - überhaupt erst auslöst. Dabei sind die beiden auf den Oberbegriff Erinnerung gekommen. "Was bleibt von der dritten großen Liebe im Gedächtnis? Was von der traurigsten Nachricht?", fragen sie.

Ihre Antwort ist eine weitere Frage: "Der Geruch eines aufgeweichten Gebäckstücks, ein Blick, den man zufällig aus dem Fenster geworfen hat?" Wenn wir das richtig verstehen, geht es Hauke und van der Heijden um das scheinbar zufällig entstandene Repertoire an Bewegungen, das sich als Summe von Parallelhandlungen zu seelischen Empfindungen ins Körpergedächtnis einschreibt. "Das Ereignis unserer Erinnerung ist ein sinnliches Fragment eines vergangenen Augenblicks, eine nebensächliche und doch essenzielle Randerscheinung", schreiben sie. Und wenn die beiden tanzen, dient ihnen die Choreografie nur als Gerüst, das im Wortsinn Bewegungsspielraum lassen soll, sodass jede Aufführung anders ist.

Darauf nimmt auch die Musik zum Tanz von Andreas M. Otto Rücksicht. Der als Komponist und Cellist auf elektronische Musik spezialisierte Künstler hat für "fluid acts of deviation" eine entsprechend flüssige Klanginstallation geschaffen, die auf die Bewegungen der Tänzer reagiert. Philipp von der Heijden ist nicht nur ausgebildeter Tänzer, sondern auch studierter Soziologe. Nach umfangreichen Erfahrungen in der freien Szene gründete er 2006 die jungsDanceCompany, die diverse Auftritte absolvierte.

Victoria Hauke hat an der Martha Graham School of Contemporary Dance in New York studiert und als Tänzerin Erfahrungen auf drei Kontinenten gesammelt. Seit 1999 arbeitet sie viel mit bildenden Künstlern - und holt den Tanz immer wieder auch aus den wenigen ihm angestammten Räumen heraus. So belebt sie mit ihren choreografischen Arbeiten gern Privatwohnungen, Läden, Schaufensterräume oder Kinosäle.

fluid acts of deviation, Tanzperformance, Do 24.6., 20.00 (Premiere), Fleetstreet (S-Bahn Stadthausbrücke), Admiralitätstraße 71, 20459 Hamburg, Karten zu 11,-/erm. 8,- unter T. 39 99 38 83 oder per E-Mail unter bestellung@fleetstreet-hamburg.de