Souverän durch die Stile spaziert

Mark Knopfler und Band überzeugen mit Rock, Blues und Folk in der O2 World

Hamburg. Mit dem Alter kommen die Wehwehchen. Vor sechs Wochen hatte sich Mark Knopfler, ehemaliger Anführer der Dire Straits und mit knapp 61 Jahren nicht mehr der Jüngste, den Ischias geklemmt. Aufgeräumt erzählt der grau melierte Gitarrenheld in der gut besuchten, aber bei Weitem nicht ausverkauften O2 World von seinem Arztbesuch und den anschließenden Verboten. "Ich darf nicht stehen, nicht laufen, nicht hüpfen und erst recht nicht tanzen." So erklärt sich der gemütlich gepolsterte Barhocker, auf dem Knopfler Platz nimmt.

Dem Publikum ist's egal, schließlich sitzt man selbst, und dann geht es flott los mit "Border Reiver", einem irischen Folksong reinsten Wassers, in dem Akkordeon, Geige und Flöte den Ton angeben. Nach Ausflügen in den Country Nashvilles vor einigen Jahren scheint Knopfler nun wie ein Archäologe die Musikgeschichte der Britischen Inseln zu durchforsten. Bei "Done with Bonaparte" sind sogar Uileann Pipes, der irische Dudelsack, zu hören. Knopflers sieben Begleitmusiker bewegen sich scheinbar mühelos durch Rock und Blues, Folk und Bluegrass. Stile, denen Knopfler mit seinem typischen Gitarrenstil und dem unverkennbaren Sprechgesang einen Stempel aufdrückt.

Immer wieder gelingen ihm und seiner Band Momente großer Intimität, etwa bei "Sailing To Philadelphia", einer geradezu fragilen epischen Komposition. Bei "Sultans Of Swing", treibend und wuchtig, gibt es erstmals Zwischenapplaus. Und dann dieses Wahnsinnssolo, zu dem man schon als Schüler die Luftgitarre quälte. 32 Jahre ist es her, dass die "Sultans" aus der Jukebox swingten. Doch Knopfler, so gesteht er, spielt den Hit noch immer gern, und man glaubt es ihm. Etwas neckisch wirken die auf eine Großleinwand geworfenen, in "Beat Club"-Manier verfremdeten Live-Bilder, die eine kleine Kamera am Gitarrenhals befestigt einfängt. Doch sie bezeugen die virtuose Fingerfertigkeit des Gitarristen.

Höhepunkt des Konzerts: das viertelstündige Stück "Telegraph Road", das sich nach verhaltenem Beginn immer weiter steigert - bis auch Schlagzeuger Danny Cummings zu seinem Recht kommt. Die Zuhörer stürmen zur Bühne. Statt Gassenhauern wie "Money For Nothing" kommt das melancholische "Brothers In Arms" als Zugabe, gefolgt von "So Far Away". Und dann entlässt Knopfler das Publikum nach 130 Minuten mit dem wundervollen "Piper To The End" in die kühle Sommernacht.