Mal wonnig, mal wuschig

Die Theater-Revue "Heiße Zeiten" will das Komische an den Wechseljahren zeigen

Hamburg. Wenn sich ein Mann einen Sportwagen kauft oder plötzlich auffallend oft eine junge Blondine als seine Nichte vorstellt, dann steckt er mitten in der Midlife-Crisis. Was die Midlife-Crisis anrichtet, haben wir in gefühlten 500 Fernsehfilmen und Romanen kennengelernt. Da zeigen Kerle, die den Kampf im Büro erfolgreicher gemeistert haben als den gegen Haarausfall und Bauchansatz, dass sie sich viel jünger fühlen, als sie aussehen. Und dass sie alles dafür tun würden, damit dies auch so bleibt.

Kein Unterschied zu Frauen also. Doch im Gegensatz zu den Krisen der Männer gab es kaum je etwas zu sehen und zu hören über Frauen in den Wechseljahren. Frauen, die altern, waren - außer im Zusammenhang mit Botox oder den üblichen Tipps gegen Übergewicht und Problemzonen natürlich - kein gern gesehenes Thema. Bis jetzt.

Im Fernsehen lief kürzlich eine ziemlich lustige Serie, "Klimawechsel". Regisseurin Doris Dörrie zeigte reife Frauen mal nicht mit Apfel-, sondern im Hormonstrudel. Sie hatte sich über gängige TV-Klischees geärgert: "Wenn ich noch eine Frau sehe, die eigentlich 50 ist, aber sagt, sie ist 35, und die eine Farm in Afrika aufmacht, hole ich das Maschinengewehr."

Nun gibt es auch ein Theaterstück für und über Frauen in den besten Jahren. "Heiße Zeiten" heißt die "Wechseljahrs-Revue", die vom 20. Juni an im St.-Pauli-Theater gezeigt wird. Saukomisch könnte diese Show mit Musik und Gesang werden, jedenfalls glaubt man das nach einem Probenbesuch, bei dem die eine altersgemäß schwitzt, die andere alles kommentieren muss, eine Dritte sich mehr oder weniger verkrümelt und die Vierte sich so was von zusammenreißt, um noch am großen Rad drehen zu können. Lauter Klischees, klar, aber wenn die Darstellerinnen selbstironisch Haus- und Karrierefrauen, Essattacken und Gewichtsprobleme konterkarieren, kann man sich schon mal schlapp lachen.

Die vier Frauen treffen am Flughafen aufeinander. Die Karrierefrau ist 53, gut durchtrainiert und auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftsessen, hat aber die Unterlagen zu Hause vergessen. Die Hausfrau im selben Alter, Mutter von drei Kindern und Ehefrau eines Mannes, der durchversorgt werden will, fliegt zum ersten Mal. Sie hat für eine Woche vorgekocht und trotzdem ständig Schweißausbrüche. Die Vornehme hat Stress mit ihrer Tochter und Sorgen mit ihrem Vater, also typische Sandwich-Probleme. Darüber hat sie ganz vergessen, wie man Sex eigentlich schreibt. Das Küken ist auch schon über 40 und will endlich ein Kind. Doch der Verlobte ist zeugungsunfähig.

Man erkennt die Komik in all diesen Zwängen und Rollen. Die Schauspielerinnen fangen sie auch mit Liedern auf. Aus "Stand By Your Man" wird "Steh auf und renn", und es geht wohl um das Thema Müssen müssen. Aus dem Klassiker für Frauenabende, "I Will Survive", macht man "Aktiv und reif". Dazwischen erklingt gelegentlich die Stimme des ehemaligen "Tagesschau"-Sprechers Wilhelm Wieben, die ernst und sachlich Allheilmittelchen gegen das Altern anpreist. Man lacht über die Blödheit dieser Verkaufstricks. Und darüber, wie gerne man auf sie reinfällt.

Seit "Sex and the City" gelten vier Frauen als starke Crew. "Wer zwischen 30 und 40 'Sex and the City' geguckt hat, ist jetzt reif für 'Heiße Zeiten'", sagt Regisseurin Gerburg Jahnke, ehemals Teil des Kabarettduos Missfits, die eine Komödie inszenieren will. "Wir arbeiten ja nicht die Wechseljahrsdramatik ordentlich ab", sagt sie. "Das Stück handelt in Wahrheit von der Frage: 'Was mache ich mit meinem Leben, wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Eltern alt werden?' Und dann spielen auch noch die Hormone verrückt. Aber die Chance ist, man kann sich noch mal neu definieren."

Beispielsweise die patente Hausfrau, Typ lustige Dicke. Sie hat alles im Griff, nur sich selbst nicht. Wenn sie zu Beginn mit ihrer übervollen Reisetasche ständig den Scanner des Flughafens auslöst, bedauert man sie bereits. "Sie wird natürlich ständig von zu Hause angerufen, der Mann kommt weder mit der Spülmaschine noch mit den Tupperdosen zurecht", sagt Regisseurin Jahnke. Ja, auch diese Kerle erkennen wir sofort wieder.

"Natürlich sollen die Frauen Klischees spielen", sagt Gerburg Jahnke, "dadurch entsteht ja Komik. Hier soll sich niemand vornehm zurücknehmen. Auf manches muss man sich einfach extrem draufsetzen." Könnte klappen, denn, so Jahnke "alle vier Schauspielerinnen sind Rampensäue". Oft ist das bekanntlich die halbe Miete.

Heiße Zeiten Premiere am 20.6. im St.-Pauli-Theater, Voraufführungen von heute an, Karten in allen Hamburger-Abendblatt-Ticketshops und unter T. 040/ 30 30 98 98