Brotzeit!

Foto: Jens Herrndorff / Jens Herrndorff/FKP Scorpio

Verlosung der letzten Tickets für Fettes Brot - für das Konzert am morgigen Dienstag in der Freiheit.

Große Freiheit 36. Wenn König Boris an die Schwarzmarkthändler denkt, die vor den Konzerten von Fettes Brot Karten zu überhöhten Preisen an den Fan bringen wollen, verdüstert sich seine helle Miene. "Es ist sehr schwer, diesen Leuten das Handwerk zu legen", sagt der Rapper. Dass überhaupt Karten auf nicht offiziellem Weg angeboten werden, hat mit dem Prinzip von Angebot und Nachfrage zu tun. Die Nachfrage ist immens, weil die laufende Tour fast überall ausverkauft ist, das Angebot gleich null. Die Shows in Hamburg, die von heute bis Mittwoch über die Bühne der Großen Freiheit 36 gehen, sind seit Wochen ausverkauft.

Mit dieser Tournee, die am 30. April in der Pier 2 in Bremen begonnen hat, fährt das Hamburger Hip-Hop-Dreigestirn eine verdiente Ernte ein, die auf unermüdlicher Arbeit im Studio und auf der Bühne basiert. Seit König Boris, Doktor Renz und Schiffmeister sich im Jahr 2006 entschieden haben, mit einer Band statt eines DJs durch die Klubs und Hallen in Deutschland zu ziehen, hat sich die Nachfrage vervielfacht. In München kamen vor ein paar Tagen 7000 Fans zur Brote-Show, früher waren es dort nur etwa 2000. "Wir haben in den vergangenen Jahren etwa 120 Konzerte gegeben und auf vielen Festivals gespielt. Die Fans wissen, dass unsere Konzerte Spaß machen und riesige Partys sind", sagt Boris Lauterbach alias König Boris nicht ohne Stolz.

Die fantastischen drei können jede Arena in ein Tollhaus verwandeln

Spaß scheint das Geheimnis des Trios zu sein, das sich 1992, damals noch als Quintett, in den Vororten Halstenbek, Pinneberg und Schenefeld zusammenfand, um sich an Hip-Hop mit deutschen Texten zu versuchen. Auf der Bühne geben die fantastischen drei immer Vollgas. Sie sind mit Leidenschaft dabei und verausgaben sich völlig. "Nach einem Konzert bin ich immer total erschöpft", sagt Boris "aber unsere Essenz zeigt sich auf der Bühne." Einen Eindruck von diesem zweistündigen Bühnen-Wahnsinn geben die beiden Live-Platten "Fettes" und "Brot", die im Frühjahr erschienen sind und sogleich die Spitze der deutschen Hitparade erklommen haben. Selbst im heimischen Wohnzimmer ist zu spüren, welche Energie Fettes Brot freisetzen und wie sie jede Arena in ein Tollhaus verwandeln können. Egal ob "Emanuela", "Bettina", "Schwule Mädchen" oder "Nordisch By Nature": Diese Songs sind längst Gassenhauer.

Aber nicht nur der eigene Erfolg und die Welle der Fan-Euphorie zaubert den Hip-Hop-Entertainern ein Grinsen ins Gesicht. Alle drei sind Dauerkartenbesitzer des FC St. Pauli und begeisterte Anhänger. Gestern waren sie natürlich im Stadion und haben den Aufstieg gefeiert. Allerdings nicht bis zum totalen Exzess, denn heute beginnt ihre Konzertserie in der Großen Freiheit 36. Der Spielplan ihres Lieblingsklubs wird bei der Tourneeplanung natürlich berücksichtigt. Am Tag des vorentscheidenden St.-Pauli-Spiels in Fürth musste die Band in Luxemburg auftreten, hatte sich allerdings in einer Sportkneipe Plätze reserviert. Sehr zum Unwillen einiger englischer Fußball-Fans, die nicht verstehen konnten, warum man sich ein Zweitligaspiel ansehen sollte. Den Hamburgern war das egal, die Stimmung ausgelassen. "Ich freue mich jetzt schon tierisch auf das Derby gegen den HSV, das seit langer Zeit wieder am Millerntor ausgetragen wird", so Boris.

Beim Konzert zum 100-Jahre-Jubiläum des FC St. Pauli am 29. Mai sind sie auch dabei. Ihr eigenes Bandjubiläum in zwei Jahren dagegen lässt sie noch völlig kalt. "Wir haben ja zum Zehnjährigen was gemacht, aber wir sind nicht so eine Jubiläumsband." Denn eigentlich ist jedes Konzert von Fettes Brot eine Feier für sich. Selbst vorher und hinterher treffen sich die drei Wortakrobaten noch mit Fans, geben Autogramme am Tourbus oder lassen sich mit ihren Anhängern fotografieren. Fettes Brot sind Popstars zum Anfassen ohne Allüren. "Da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone", sagt Boris, König Boris.