Kammerspiele: Engagement mit Macken

Die geheimen Motive von Spendensammlern

Hamburg. Wie bringt man die Menschen am besten zum Spenden? Fünf Schauspieler zerbrechen sich bei der Probe zu einer Benefiz-Veranstaltung die Köpfe über Aufrufe und geraten sich heftig in die Haare. Ingrid Lausunds Stück "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner" ist eine beißende, bittere Satire auf Ungerechtigkeit und Gutmenschentum in der Welt. Ihre Berliner Inszenierung hatte Hamburg-Premiere an den Kammerspielen, erntete kräftigen Beifall und lachende Zustimmung.

Längst ist die Welle der Hilfsaktionen in die Theater geschwappt. Künstler sammeln nach den Vorstellungen für Kinder in Not, Aids- oder Erdbebenopfer. Anlass genug für Lausund, den Spendeneifer unter die kritische Lupe zu nehmen. Oft ist er nicht so altruistisch, wie er vorgibt zu sein. Etwa bei der Promi-Aktrice (gespielt von Iris Böhm): Auch hier will sie ihren großen Auftritt und im Mittelpunkt stehen. Da kommen nicht nur ihren Kollegen Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Engagements, Geld für eine Schule in Afrika zu sammeln.

Lausunds Stärke ist ihr scharfer Blick für menschliche Schwächen und Widersprüche. Sie entlarvt alltäglichen Rassismus und eitle Künstlermacken, die Klischees über Afrika und den Mitleids-Kitsch, aber auch "typisch deutsche", möglichst politisch korrekte Diskussionssucht. Sie bietet dem Darsteller-Quintett herrlich Gelegenheit zu treffenden Charakterskizzen, Pointen und Situationskomik. Dennoch verlieren die Schauspieler nie den Ernst des Themas aus den Augen und bereiten dem Zuschauer Wechselbäder zwischen schlechtem Gewissen und sarkastischem Spaß.

Vanessa Stern gibt die "Betroffenheitstussi" ("Das finde ich echt schwierig"). Als engagierter "Bibelfuzzy" hält der Hamburger Publikumsliebling Bjarne Mädel ("Fettes Schwein") eine flammende Rede und liest geizigen wie skeptischen Spendern gehörig die Leviten - um hinterher, ganz Bühnenprofi, die "Szene" etwas zu lang zu finden. Auch Max Landgrebe (immer beleidigt) und Christian Kerepeszki (verheddert sich ständig) streiten für die gute Sache. Großartig ist der Diavortrag ohne Schreckensbilder, die durch Beschreibung in die Köpfe der Zuschauer projiziert werden.

Die Akteure beherrschen treffsicher das Spiel, in dem sie sich Gleichgültige wie Gutmenschen vorknöpfen. Übrigens: Eine Spendenbox steht nach "Benefiz" auch bereit: Die Zuschauer können zeigen, ob die "Show" ihre Wirkung getan und sie überzeugt hat, für eine Schule in Guinea-Bissau zu spenden.

Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner 25.4. und 26.-30.5., 20 Uhr, Hamburger Kammerspiele, Karten unter T. 0800/413 34 40