Punk Rock

Schauspielhaus: Ein Amoklauf voller Klischees

Hamburg. Ein großes Thema kommt oft besser mit weniger Theater aus. Lars Norén und Anne Tismer haben es mit dem Täter-Monolog "20. November" bewiesen. Der Amokläufer von Emsdetten hat die Psychostudie des Hasses inspiriert. Zeitgerecht zum Gedenktag der Katastrophe setzt das Schauspielhaus mit dem Autor Simon Stephens bei der Premiere von "Punk Rock" nun auf Theateraktionismus in Hochgeschwindigkeit. Daniel Wahl bläst das dünne Stück auf bühnenbreiter Schulhof-Treppe im Großen Haus auf. Um in den Szenen um den späteren Amokläufer William alle Erwartungen nur zu bestätigen.

Klassenmacho Bennett (Aleksandar Radenkovic) mobbt Pummelchen Tanya und aus "Männlichkeitsbeweis" Chaddy (Martin Wißner), das Mathe-Ass mit der obligatorischen Brille. Dem schlaksigen Spinner William (überzeugend: Sören Wunderlich) liefert der Autor säuberlich eine Kausalkette für das Durchdrehen. Der sanfte Träumer in der grauen Schlabberweste hört manchmal Stimmen und blitzt bei der neuen Schülerin Lilly (Julia Nachtmann) ab. Brutalität, Eifersucht und Streitereien eskalieren im Prüfungsstress.

Die Schauspieler geben ihr Bestes. Sie holen aus Klischeetypen und Stück heraus, was möglich ist. Etwa in der Auseinandersetzung zwischen William und Lilly. Peinlichen Realismen im Stück begegnet der Regisseur mit formalen Kunstgriffen. Er inszeniert die Mordszene ohne Blut und Gezeter. Als leisen, knallharten Überraschungscoup. Wahl schenkt sich auch den Schlussdialog mit dem Psychoklempner, setzt William allein dem Tribunal der Zuschauer aus.

Weil Nadine Schwitter und Thorsten Hierse vom Jungen Schauspielhaus beim Schüler-Bashing mitmischen, wird die Inszenierung als Koproduktion mit dem Jugendtheater am Haus verkauft. Unnötig, das zu betonen: "Punk Rock" ist Jugendtheater und gehört eigentlich in den Malersaal. Der füllt aber nicht die Kassen mit Mengen von Schulklassen. Nach dem Jubel der vielen Jugendlichen in der Premiere zu schließen, könnte die Rechnung mit Plus aufgehen. Für das Profil von Deutschlands größter Sprechbühne bedeutet dieses Profitkalkül jedoch ein klares Minus. Gegen Jugendtheater ist grundsätzlich nichts einzuwenden, es sollte nur nicht als Ersatz für mangelnde künstlerische Konzeption herhalten.

Punk Rock 20., 26.3, 20 Uhr, Deutsches Schauspielhaus, Karten unter T. 24 87 13 oder www.schauspielhaus.de