Tragikomödie: "Everybody’s Fine"

Lügengerüste und bittere Wahrheiten

Foto: Miramax Films

Eine alte Geschichte, glatt und gefällig inszeniert: "Everybody’s Fine" mit Kate Beckinsale, Robert De Niro und Drew Barrymore.

Kinder, wie die Zeit vergeht! 19 Jahre ist es jetzt her, dass Giuseppe Tornatores Film "Allen geht’s gut" in unseren Kinos lief. Der damals 67-jährige, 1996 verstorbene Fellini-Liebling Marcello Mastroianni spielte darin einen Witwer im Ruhestand, der sich eines Tages von Sizilien aus aufmacht, um seine in ganz Italien verstreuten fünf Kinder zu besuchen. Doch die Söhne und Töchter sind nicht so erfolgreich, wie er geglaubt hatte. Mastroianni spielte diesen Vater unbeholfen und doch behände, unwissend und doch weise, gutmütig und doch schlitzohrig. Darüber hinaus vermischte Tornatore immer wieder Traum und Realität. Denn dass man an seinen Träumen festhalten muss, war die wichtigste Erkenntnis seines Films.

Nun hat sich Hollywoods Remake-Maschine des Themas angenommen. Die Geschichte ist noch dieselbe, doch sonst ist alles anders. Robert De Niro, auch schon 66 Jahre alt, spielt Frank Goode, einen pensionierten und verwitweten Fabrikarbeiter, der seine vier Kinder zu sich einlädt. Doch einer nach dem anderen sagt ab. Kurz entschlossen, gegen den Rat seines Arztes, macht sich Frank auf, seine Sprösslinge zu besuchen. New York, Chicago, Denver und Las Vegas sind die Stationen, doch die Freude über sein Erscheinen hält sich in Grenzen. David trifft er gar nicht erst an, und die anderen Kinder, dargestellt von Kate Beckinsale, Drew Barrymore und Sam Rockwell, haben ein Lügengerüst aufgebaut, dessen bittere Wahrheiten Frank erst allmählich auf die Schliche kommt.

Im Gegensatz zu Mastroianni legt De Niro - und das ist die größte Enttäuschung - den alten Mann sehr eindimensional als strengen, distanzierten Pedanten an, der stolzer ist auf sich als auf seine Kinder. Irgendwie ist es De Niro trotz seiner Klasse nicht gegeben, nette Kerle zu spielen.

Ein bisschen mehr Menschlichkeit und Humor hätten ihm diesmal gut zu Gesicht gestanden. Regisseur Kirk Jones verzichtet darüber hinaus auf Tornatores surreale Traumbilder, die das drohende Unheil metaphernreich ankündigten oder als Kritik an den Auswüchsen des modernen Lebens fungierten. Natürlich lässt sich "Everybody’s Fine" immer noch als Drama über Vereinsamung, Generationenkonflikte und Sprachlosigkeit lesen. Doch von der Magie des Vorgängers ist Jones weit entfernt. Dafür ist sein Film viel zu glatt und gefällig inszeniert.

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Everybody's Fin e USA 2009, 99 Min., ab 6 J., R: Kirk Jones, D: Robert De Niro, Kate Beckinsale, Drew Barrymore, Sam Rockwell, täglich im Blankeneser, UCI Smart-City; www.everybodys-fine.de