Theater

Der eigene Schatten wird zum Vampir

Foto: Angerer, Krafft

Stefan Pucher und Erobique zeigen "Andersen - Trip zwischen Welten" im Thalia.

Dass der Regisseur Stefan Pucher Experte für visuell überschäumende Trips ist, hat er mit Arbeiten wie "Othello" hinlänglich bewiesen. Nun lauern die Hamburger darauf, ob sein für den 6. März zur Uraufführung angesetztes Projekt "Andersen - Trip zwischen Welten" im Thalia-Theater zum Dauerbrenner taugt.

"Ich habe eine Affinität zu Märchen", sagt Stefan Pucher. "Das sind extrem verdichtete Geschichten, in die man schwer reinkommt, weil die Form so perfekt ist." Im Zentrum des Abends stehen biografische Elemente des Märchenautors Hans Christian Andersen, der als Persönlichkeit mit undefinierter Sexualität galt. Pucher ist fasziniert davon, dass Andersen von der Idee besessen war, ein berühmter Schauspieler und von den Massen geliebt zu werden. Er scheiterte als Sänger und Tänzer - doch zum Glück konnte er schreiben.

"Andersen hat sich in seine Märchen reininszeniert und gleichzeitig darin versteckt", sagt Pucher. Die Erzählung "Der Schatten" liefert den Rahmen. Wie die meisten Märchen erzählt sie keine Kindergeschichte. Ein Gelehrter leidet unter der Hitze in einem südlichen Land. Er beginnt ein Spiel mit seinem Schatten. "In seiner Obsession erschafft er eine Figur, die sich selbstständig macht", sagt Pucher. "Am Ende saugt sie ihm vampiristisch das Leben aus."

In diese Rahmenhandlung werden Motive aus "Des Kaisers neue Kleider" oder "Die Meerjungfrau" integriert. Angereichert mit ausgefeilter Videokunst - und aufgebrochen durch Musik. Für die zeichnet Studio-Braun-Mitglied Carsten Erobique Meyer verantwortlich. Wie der Text formen sich die Musik und ein paar "altmodische" Lieder live auf der Probe. "Am Anfang steht es ein großes Wabern. Man lässt es kommen und nagelt die Songs dann fest", sagt Meyer seelenruhig. Die Rolle des Gelehrten übernehmen mehrere Schauspieler, die außerdem singen und verschiedene Instrumente bedienen. "Die Frage ist doch, wer wir eigentlich sind?", sagt Pucher. "Wir hoffen doch alle, dass ein Avatar die Sachen für uns erledigt, vor denen wir uns fürchten."

Andersen - Trip zwischen Welten Uraufführung Sa 6.3., 20.00, Thalia-Theater (U/S Jungfernstieg), Alstertor, Karten 12,- bis 60,- unter T. 32 81 44 44 oder unter www.thalia-theater.de