Medien-Macher

Ex-"Bunte"-Spitzel spricht nur für Geld

| Lesedauer: 4 Minuten
Kai-Hinrich Renner

Der Skandal um die Berliner Agentur CMK weitet sich aus. Wer mit ehemaligen Mitarbeitern sprechen will, muss teuer dafür bezahlen.

Wer mit Thomas Walther sprechen will, einem von zwei ehemaligen Mitarbeitern der Berliner Agentur CMK, die im Auftrag der " Bunten " im Privatleben von Horst Seehofer , Oskar Lafontaine und Franz Müntefering schnüffelte, bekommt womöglich eine Mail wie diese: "Hallo, Herr Renner, bitte schicken Sie mir doch Ihre Fragen auf diese E-Mail zu. Ich schaue dann, was ich davon beantworten kann. Ganz ohne Aufwandsentschädigung wird das aber nicht gehen."

Eine Aufwandsentschädigung? Für das Beantworten von ein paar Fragen? Ein seltsamer Wunsch, der die Frage aufwirft, ob Walther für seine Informationen vom "Stern" bezahlt wurde. Er und sein ehemaliger CMK-Kollege André Plath waren die Kronzeugen des Blattes, als es berichtete, wie die Agentur die drei Politiker beschattete. Zu einer eventuellen Bezahlung der zwei mag sich "Stern"-Chefredakteur Andreas Petzold aber nicht äußern.

Derweil verstrickt sich CMK-Chef Stefan Kießling in Widersprüche. Auf die Frage, warum er Angaben zum so genannten investigativen Rechercheservice seiner Agentur von der CMK-Website nahm, sagt er: "Unsere Website wurde nach den Schlagzeilen am Mittwoch förmlich mit Abrufen überrannt. Dabei kam es verschiedentlich zu Serverstörungen." Tatsächlich war am Mittwoch auf der CMK-Site der Satz zu lesen: "Leider steht Ihnen diese Seite aufgrund eines Serverfehlers nicht zur Verfügung." Der stand dort aber schon sehr viel früher. Die "Stern"-Autoren zitieren ihn in ihrem Stück, das bereits am Dienstag um 0 Uhr Andruck hatte. Die CMK habe alle Angaben zu ihrem Recherche-Dienst vom Netz genommen, als sie die Agentur mit ihren Vorwürfen konfrontierten, schreiben die Kollegen vom " Stern ". Wie berichtet, hat die CMK nun eine geänderte Version des ursprünglichen Textes über ihre investigativen Services online gestellt, aus dem Begriffe wie "brisante" Storys und "höchste Diskretion" getilgt sind.

Der Henri-Nannen-Preis ist die wohl angesehenste Auszeichnung für deutschsprachige Printjournalisten. Dennoch sollte sein Reglement noch einmal überarbeitet werden. Denn derzeit können Juroren die Preisvergabe im Sinne ihrer jeweiligen Blätter beeinflussen - was mitunter auch versucht wird. So wurde die Liste der von der Vorjury in diesem Jahr in der Sparte "Investigation" ausgewählten Stücke von zwei Hauptjuroren um drei Geschichten ergänzt. " Zeit "-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fügte ihr, wie er einräumt, eine in seinem Blatt erschienene Reportage hinzu. Zudem soll, wie es in Jury-Kreisen heißt, "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo sie um zwei weitere Arbeiten seines Nachrichtenmagazins bereichert haben. Das " Spiegel "-Stück "Die Middelhoff-Oppenheim-Esch-Connection" hatten bereits die Vorjuroren nominiert. Mascolo mag das nicht kommentieren. Nach Angaben einer Sprecherin des Zeitschriftenhauses Gruner + Jah , das den Preis auslobt, dürfen die Hauptjuroren auch in der Endausscheidung für Stücke eigener Blätter votieren. Bei anderen Preisen wäre das unvorstellbar. Bei den Lead Awards etwa werden Juroren gebeten, den Raum zu verlassen, wenn über Arbeiten diskutiert und abgestimmt wird, mit denen sie auch nur mittelbar zu tun hatten.

Die nächste Entlassungswelle beim Süddeutschen Verlag (" Süddeutsche Zeitung ", SZ) ist angerollt. Das Zeitungshaus hat damit begonnen, den Betriebsrat zur geplanten betriebsbedingten Kündigung von zwölf Redaktionssekretärinnen zu hören. Wie es in Verlagskreisen heißt, ist offenbar auch geplant, sich von 14 SZ-Redakteuren zu trennen. Darüber hinaus soll es bei der Konzernmutter des Verlages, der Südwestdeutschen Medien-Holding , Überlegungen geben, die Gehaltsabrechnung der Gruppe an einen externen Dienstleister auszulagern. Davon wären in München 15 bis 20, in Stuttgart etwa zehn und in Oberndorf circa fünf Mitarbeiter betroffen. Entschieden ist aber noch nichts. Der Personalabbau in der Verwaltung der SZ ist für die Betroffenen dagegen offenbar glimpflicher verlaufen, als befürchtet: 15 bis 20 Stellen sollen durch Altersteilzeit, Vorruhestandsregelungen und die Ausgabe von Auflösungsverträgen abgebaut worden sein. Etwa 20 Beschäftigte arbeiten kurz.

Kai-Hinrich.Renner@abendblatt.de