Theater

Mehr Wortgeklingel als Tingeltangel im "Entertainer"

Hamburg. Ach, wie gern hätte man "Der Entertainer" gesehen, John Osbornes Stück über den abgehalfterten Schmierenkomödianten Archie Rice, der an seinem übergroßen Vater Billy ebenso leidet wie an seinen beiden nichtsnutzigen Kindern Jean und Frank. Aber in Christiane Pohles Inszenierung am Thalia in der Gaußstraße wird Bernd Grawert als matte Erfolgskanone Archie zum Zyniker und saufenden Schreihals. Gut Klavier spielen kann er allerdings.

Kein dominanter Alter ist Christoph Bantzers Billy, der meistens im Schlafsack auf dem Boden herumliegen muss und sich gebärdet wie Loriots Opa Hoppenstedt. Nicht zu glauben, dass dieser grenzdebile Penner mal der König des Vaudeville gewesen sein soll. Der orientierungslose Frank (Rafael Stachowiak) schleicht als müde Lemure über die am Boden liegenden Glühlampen (Bühne: Annette Kurz). Und Jean (Franziska Hartmann), die in Regencape und mit Rucksack bepackt herumlaufen muss, schwankt zwischen farblosem Irrlicht und naseweisem Emporkömmling. Einzig Stiefmutter Phoebe bekommt durch Victoria Trauttmansdorffs Darstellung einer zerbrechlichen Süchtigen mit Sehnsüchten berührende Züge menschlicher Anmut.

"Wirkliche Menschen wollen die nicht mehr, Opa", klagt Jean einmal über das heruntergekommene Metier des Entertainments. Regisseurin Pohle fehlen Menschen ebenso wie Einfälle, wie man schlechtes Theater gut aussehen lässt. Sie lässt Flachmänner kreisen, und alle singen "Jetzt fliegen gleich die Löcher aus dem Käse." Am Ende bleibt dann doch nur Käse.