Kunst aus der Sammlung Falckenberg

"Weißer Schimmel" als trojanisches Pferd

Foto: Stefanie Maeck

Nicola Torke und Christoph Grau, beide frühe Wegbereiter für Falckenberg, hatten von ihm eine Carte blanche zum Ausstellen erhalten.

Hamburg. Er wollte sich überraschen lassen. Alles andere zählte nicht, sagte Kunstsammler und Mäzen Harald Falckenberg. Nicola Torke und Christoph Grau, beide frühe Wegbereiter für Falckenbergs Einstieg in die Kunst, hatten von ihm eine Carte blanche zum Ausstellen erhalten. Ohne Einschränkungen durften sie aus seiner Sammlung zeitgenössischer Kunst wählen, was ihnen eine Ausstellung wert war.

Jetzt wurde die Wundertüte aufgemacht und Hamburgs Vorzeigesammler gab sich sichtlich beeindruckt anlässlich der Eröffnung der Schau "Weißer Schimmel" in den Phoenix-Hallen.

Drei Etagen, etliche Themenfelder und fast eine Überfülle an Kunstwerken kommen in einem mehr formalen als inhaltlichen Nenner überein. Alle, die hier ausstellen, haben oder hatten in künstlerischer Hinsicht entweder mit dem Standort oder Umschlagplatz Hamburg zu tun. Doch Nicola Torke und Christoph Grau sahen sich ermutigt, die falckenbergsche Sammlung um zahlreiche andere Werke zu bereichern. Für Falckenberg nimmt der "Weiße Schimmel" damit fast Züge eines freundlich gesonnenen Trojanischen Pferdes an.

Fischli/Weiss, Jason Rhoades, Franz West, Martha Rosler, Werner Büttner, Arthur Köpke, Cindy Sherman, Michael Bauch, Axel Loytved, Bernhard Prinz, Bettina Sefkow, junge und alte, vergessene und unbekannte Künstler finden sich im Inneren des Weißen Schimmels wieder. Um in dies heterogene Gemisch ein wenig Ordnung zu bringen, haben die Kuratoren verglichen, Verwandtschaften und Analogien sortiert, um thematische Felder auszubreiten. Behausungen heißt eines, dass unter anderem einen Wolfsbau von Corinna Korth, Rabenhügel von Anna Gudjonsdottir, Friedhöfe von Peter Piller oder eine leere Vitrine, in der sich die Vögel von Jochen Lempert spiegeln, wiederfindet.

Ein anderes öffnet sich der Schrift, dem Textuellen, dem Thema Definition im Allgemeinen - und versammelt Arbeiten von Hilka Nordhausen, Hanne Darboven bis hin zu den Reisenotizen, den Deutschland-Trips von Till Krause. Ein weiteres Feld funktioniert als eine Art Überfeld: Ornament, welches sich in Archiv-Aufnahmen des ältesten Hamburger Tätowierers Herbert Hofmann bis zu den gläsern-floralen Leuchten von Moritz Althammer durch alle Etagen erstreckt.

Ein viertes thematisches Feld schickt den Besucher auf die Reise durch eine lang gestreckte Gemäldegalerie.

Ein wenig orientiert sich der "Weiße Schimmel" an jüngsten Ausstellungskonzepten mit ihren Einladungen an das Publikum, sich von den einstellenden Verwandtschaften vor Ort leiten zu lassen. Der Druck von Gelehrsamkeit soll der Aufforderung an staunender und neugieriger Anteilnahme weichen. Das klappt gut beim "Weißen Schimmel", dessen Name sich ja bereits wie eine Art homöopathischer Abwehr gegen Kunst für Eingeweihte liest.

Weißer Schimmel bis 11.4., Phoenix Kulturstiftung, Wilstorfer Str. 71, Tor 2, Harburg

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