Shanghai-Festtage

Konzerte, Oper, Erzählkunst - China hören und Tee trinken

Foto: Marcelo Hernandez

Künstler Gao Lun und seine Partnerin Lu Jin Hua aus Shanghai zeigen faszinierende Proben der traditionellen Erzählkunst Pingta.

Hamburg. Vor zwei Stunden sind die Erzählkünstler aus Shanghai im eingeschneiten Hamburg gelandet. Und schon geben Gao Lun in taubenblauem Gewand und seine Partnerin Lu Jin Hua im rosafarbenen Blütenkleid eine kleine Privatvorstellung im Teehaus des Shanghai Yuyuan Garden hinter dem Völkerkundemuseum. Dort werden sie morgen im großen Speisesaal den Hamburgern faszinierende Proben der traditionellen Erzählkunst Pingtan darbieten.

Es ist musikalisches Erzähltheater aus Südchina mit minimalen Mitteln - aber hohem Ausdruck: Ein Blick zum Partner, das Neigen des Kopfes zum Spiel auf dem Saiteninstrument Pipa sagen mehr als die unverständlichen Worte. Lu Jin Hua berichtet von einer verliebten Frau in der 1000 Jahre alten Geschichte - in hohem Sprechgesang. Die Gesten und Pausen im Ziergesang steigern die Spannung im raffinierten Zusammenspiel des Paars. Sie sagen mehr aus als die Texte im Suzhou-Dialekt.

"Es ist im besten Sinn Theater im Kleinformat", sagt Daniel Kühnel, der Intendant der Hamburger Symphoniker. "Man könnte es die Hohe Kunst der Stand-up-Comedy der Chinesen nennen." Sie verfolgen in China über mehrere Wochen die Episoden, die immer an Neugier weckenden Punkten abbrechen, um das Publikum mit der gesungenen "Soap" in Spannung und "bei der Stange" zu halten. Kühnel hat das Minifestival mit Konzerten, Oper und Theater aus Hamburgs Partnerstadt Shanghai zwei Jahre lang vorbereitet. "Die Pingtan-Erzähler durften auf keinen Fall fehlen. Sie bieten eine uralte Form der Unterhaltung." Im Gegensatz zur abendländischen Variante, den Balladensängern zur Laute, den Minnesängern oder Troubadouren, hat sich der in chinesischen Märchen und Volksliedern wurzelnde Pingtan über Jahrhunderte entwickelt und erhalten.

Die jetzige Form des Suzhou Pingtan entstand in der Ming-Zeit vor etwa 400 Jahren und wird in verschiedenen Schulen gelehrt.

Gao Jun hat als Grundschüler Pingtan im Radio gehört. "Das hat mir gefallen, weil ich schon als Kind immer singen und spielen wollte." Der 40-Jährige studierte die Erzählkunst in seiner Heimatstadt Shanghai, einer Hochburg der Pingtan-Pflege. Er ist auch der Lehrmeister seiner Partnerin. "Ich wollte eigentlich Rundfunkmoderatorin werden", sagt die 25-jährige Lu Jin Hua aus der Provinz Jiangsu. Eine Lehrerin weckte das Interesse an Pingtan: "Es ist viel mehr als Sprechen, es ist die hohe Kunst der Sprache."

Vier bis fünf Jahre dauert das Studium. Es umfasst das Phrasieren der Töne, die Kenntnis der Geschichten und ihre Übersetzung in einen gestisch-gesanglichen Ausdruck. "Wir müssen auch beide Instrumente lernen", betont Gao Jun mit der Sanxian. In Gesang und Wort, wie auch die drei Saiten (san xian) zupfend, beginnt er den poetischen Pingtan-Dialog mit der Partnerin und ihrer Pipa.