Britpop: Ian Brown

Der Egomane klingt so taufrisch wie lange nicht mehr

Foto: Jahnke

Britpop von einem alten Meister: Ex-Stone-Roses-Sänger Ian Brown kommt mit seiner Band am 24. Januar ins Knust.

Always Remember Me", das zentrale und beste Stück der aktuellen CD Ian Browns, ist vom Gestus her den großen, großen Stone-Roses-Hits "I'm The Resurrection" im "I Wanna Be Adored" so ähnlich wie ein Kaktus dem anderen: Das ewig größenwahnsinnige Großmaul hört nicht auf, den Kopf über die Wasseroberfläche zu strecken. Er hält ihn ganz weit über dem Wasser, der Gute. So wie immer schon. Brown, der überzeugte Mancunian, ist ein eher klein gewachsener Engländer. Liam Gallagher, der gewesene Frontmann der alten Oasis (Mastermind Noel Gallagher ist ja seit Kurzem nicht mehr dabei; es ist eine Schande), hat sich hinsichtlich der Mimik einiges bei Brown abgeschaut. Ein trotzig herausfordernder Blick, eine unfreundliche Attitüde: Das beherrschen die rotzigen Rüpel Manchesters. Das neue Album Browns, "My Way" betitelt (wie auch sonst), ist sein bisher bestes geworden, seit er nicht bei den Stone Roses ist. Das war, liebe Nachgeborenen, Anfang der 1990er-Jahre für einen Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte die tollste Band der Welt.

Gealterte Britpopper haben heute noch Pipi in den Augen, wenn sie sich daran erinnern, wie es war, als sie erstmals das Debüt der Stone Roses auflegten. Die perlende Frische und jugendliche Unbedingtheit, die von "Stone Roses" tropfte, überwältigte den Pop für den Moment. So wie das immer ist bei großen Platten. Kurze Zeit später kam "Nevermind" von Nirvana heraus und die Herrlichkeit des Britpop war fürs Erste vorbei.

Den Stone Roses wollte nichts mehr gelingen, der Nachfolger "The Second Coming" floppte grandios, weil es 1995 dann auch schon Oasis gab. Die stellten mit "Wonderwall" und "Don't Look Back In Anger" alles in den Schatten. "The Second Coming" wurde trotzdem gnadenlos unterschätzt (und wird es immer noch).

Anno 2010 nun ist der Egomane so taufrisch wie schon lange nicht mehr. Schätzungsweise 1999 war er letztmals so gut. Damals machte er sich noch Hoffnungen auf die große Solokarriere. "Golden Heights" hieß sein damaliges Album, es hatte Hits wie "Love Like A Fountain" und zeigte, wie das geht: die Beats im Britpop zu verankern. Brown, der hypnotisierende Groover, hat immer schon viel übrig gehabt für die tanzbare Seite des Pop. Er covert "In The Year 2525", was immer ihn dazu bewogen haben mag: Die Version ist gelungen. Der Mann ist eine Legende. Aber die Stone Roses reanimieren will er nicht mehr, "eher wiedervereinige ich die Happy Mondays". Was waren das für Zeiten, ein Stück weit kann man wieder in sie eintauchen, wenn man Browns "Stellify" hört.

Ian Brown So 24.1., 21.00, Knust (U Feldstraße), Neuer Kamp 30, Karten zu 26,65 im Vorverkauf; www.ianbrown.co.uk