Reportage: Aufstand im Kiez. 22.35 Uhr NDR

Anwohner kämpfen um ihr Schanzenviertel

Wer immer wissen will, was Gentrifizierung für den bekannten "kleinen Mann auf der Straße" bedeutet, ist hier richtig: Konditormeister Norbert Stenzel, Zoo-Händler Dabelstein, Hausfrauen vom "Radikalen Handarbeitszirkel" und andere zeigen, wie ein Quartier yuppiesiert wird, ein Quartier, das einst dem kleinen Mann vorbehalten war: In der Reportage "Aufstand im Kiez - der Kampf ums Schanzenviertel in Hamburg" ist den Autorinnen Ute Jurkovics und Gudrun Kirfel ein feiner Film voller Sympathie für ein Stück schwindendes Hamburg gelungen. Das beginnt mit schicken Boutiquen, die türkische Gemüsehändler verdrängt haben und endet in beeindruckenden Bildern, wie nachts das Partyvolk tausendfach die Schanze überschwemmt und den öffentlichen Raum zum "Ballermann" (lärmhaltige Fete vor einem Lokal auf Mallorca) macht.

Der aufwendig gedrehte Film transportiert nicht nur den Unmut der Anwohner ("Ich will das nicht vor der eigenen Haustür"), sondern demonstriert eindrucksvoll die Schwierigkeiten der Anwohner, zu ihren Wohnungen zu gelangen - die zudem immer teurer werden.

Breiten Raum widmen die Autorinnen der Roten Flora, den Demonstrationen und der Gewalt im Viertel. Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt kommt (leider anonym) zu Wort, kündigt Kampfbereitschaft an: Eine Räumung der Flora "würden wir verhindern".

Das hätte man sich etwas ausführlicher dargestellt gewünscht. Schlichweg falsch interpretiert haben die Autorinnen die Stimmung von 1500 Polizisten, die bei einer "Recht-auf-Stadt"-Demo Ende Dezember die knapp 3000 Teilnehmer begleiteten. Entspannt und nicht nervös waren die meisten Gesichter, weil die Friedlichkeit der Demo zu spüren war.