Kammerspiele: Jubel für Aljinovics "Elling"

Tragikomischer Poet im Norwegerpulli

Hamburg. Flüchtet der Fantast Elling vor der Realität des Lebens und der Liebe zurück in die Klapse? Das ist die Frage am Schluss der Fortsetzung des "Elling"-Dauerbrenners an den Kammerspielen.

Die Geschichte über "Elling und die Begegnung der dritten Art" nach Ingvar Ambjørnsens Roman "Lieb mich morgen" wird zwar umständlich erzählt und wirkt nicht ganz so stark wie der erste Befreiungsschlag des Psycho-Freaks in betreuter Wohngemeinschaft. Doch Boris Aljinovic in der Titelrolle und Michael Bogdanovs Inszenierung tragen souverän den mit einem Jubelsturm gefeierten Abend voller Tragikomik und Wahrheit.

Der Titel des von Axel Hellstenius verfassten Stücks ist eindeutig. Bei Ellings Begegnung der dritten Art handelt es sich um dessen erstes Liebeserlebnis. Bisher kennt er nur Sex auf Abstand aus Porno-Filmen, reagiert eher wie ein Außerirdischer auf die Dame seines Herzens, die ein Buch über Ufos liest. Lone (Imke Trommler) ist Wurstverkäuferin am Hotdog-Stand, an dem sich Elling versorgt. Und gegenüber Lone mit erfundenen Ufo-Erlebnissen prahlt - beim ersten Treffen mit seiner Traumfrau verfällt Elling jedoch in totale Panik.

Boris Aljinovic in der Klemme zwischen Furcht und Faszination zuzusehen ist rührend und zugleich vergnüglich: Denn seine Ängste kennt jeder Mensch. Nur ist Elling ihnen ausgeliefert, da er sie weder verdrängen noch überspielen kann. Aljinovic, bundesweit bekannt als Berliner "Tatort"- Kommissar Stark, hat hier als spinnerter Poet im Norwegerpullover seine Glanzrolle gefunden. Er kann sich von vermeintlich schwacher, verletzlicher Seite und doch in komödiantischer Hochform zeigen. Sein notorischer Lügner hat den Charme und die Direktheit eines wachen Kindes, zeigt aber auch die Höllenqualen des Außenseiters.

Michael Bogdanov kommentiert die Szenen in Sean Crowleys Raum mit der Wolkentapete beziehungsreich mit Hits aus dem Beatles-Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Er führt einfühlsam die Figuren, nützt Situationskomik und zeigt Elling aus dem "Klub einsamer Herzen" auch als einen letzten Hippie mit der Utopie von einer schönen Welt.

In einer Episodenrolle als "Sexbombe" Tante Elise bringt Carolin Fortenbacher den verwirrten Elling vollends um den Verstand. Doch er und Kjell - die Loser im Alltag und in der Liebe - schaffen es wohl wieder, als Gewinner die Krise zu packen: durch die Hilfe neuer Freunde und ihrer dicken Freundschaft.

Elling und die Begegnung der dritten Art: bis 13.2., Hamburger Kammerspiele, Karten unter T. 0800-413 34 40