Drama

Hélène entdeckt ihre Passion für eine gute Partie

Foto: concorde

Sandrine Bonnaire brilliert in der Verfilmung des Romans "Die Schachspielerin"

Bei Schachfilmen denkt man gemeinhin an exzentrisch-geniale Spieler (wie Bruno Ganz in Wolfgang Petersens "Schwarz und Weiß wie Tage und Nächte") oder aber, im weiteren Sinne, an die mathematische Präzision, mit der etwas ausgeführt wird (wie ein Raubüberfall in "The Killing" von Stanley Kubrick, der selber ein begeisterter Schachspieler war).

Darum geht es diesem Film, basierend auf dem Roman "Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs, nicht. Im Gegenteil, das Regiedebüt von Caroline Bottaro ist vielmehr von einer schönen Gelassenheit geprägt, die dem Film etwas angenehm Unspektakuläres verleiht - so unspektakulär wie das bisherige Leben der Protagonistin Hélène: Die 42-Jährige, verheiratet und Mutter einer 15-jährigen Tochter, lebt auf Korsika, wo sie als Zimmermädchen arbeitet. Es ist der verstohlene Blick auf ein amerikanisches Paar beim Schachspiel auf der Hotelterrasse, der ihr Leben verändert: weil sie dieses Schachspiel zugleich als Liebesspiel wahrnimmt, bei dem die Sinnlichkeit der Frau, die Blickwechsel und Berührungen in ihr ein Verlangen wecken.

Mit dem elektronischen Schachspiel, das sie ihrem Ehemann, einem Werftarbeiter, daraufhin zum Geburtstag schenkt, kann der allerdings wenig anfangen. Also versucht sie es nachts am Küchentisch selber zu erlernen. Das gelingt ihr jedoch erst mithilfe von Professor Kröger, eines zurückgezogen lebenden Witwers, wo sie bei ihren Putzarbeiten ein Schachbrett entdeckt und ihn daraufhin bittet, ihr das Spiel beizubringen.

Je mehr sie das Spiel beherrscht, desto größer wird ihre Selbstsicherheit als Ganzes, im Umgang mit der Hotelbesitzerin und mit ihrer eigenen Familie, ebenso wie in den kleinen Veränderungen, so ihrer neuen Frisur. In der Nüchternheit, mit der der Film das registriert, zeigt sich zugleich eine große Präzision. Das Verhaltene ist die Qualität dieses Films, das gilt auch für das Spiel von Sandrine Bonnaire und Kevin Kline. Die Szene am Ende, wenn sie sich ein letztes Mal treffen und ihre Zuneigung in der Aufzählung von Schachzügen formulieren, ist zu guter Letzt dann doch noch eine Verneigung vor dem Schachspiel.

++++- Die Schachspielerin Frankreich/Deutschland 2009, 101 Minuten, o. A., R: Caroline Bottaro, D: Sandrine Bonnaire, Kevin Kline, Francis Renaud, Jennifer Beals, täglich im Holi, Koralle-Kino; www.joueuse-lefilm.com