Tanz

Mein lieber Schwan: das St. Petersburger Staatsballett tanzt

Das St. Petersburger Staatsballett präsentiert den Klassiker "Schwanensee" in der Tradition der russischen Schule am 29.12. im CCH.

Uraufgeführt wurde "Schwanensee" - der romantische Ballett-Klassiker schlechthin - 1877 am Bolschoi-Theater in Moskau. Den populären Erfolg und die Aufführungstradition begründete jedoch knapp 20 Jahre später die Inszenierung von Marius Petipa und Lew Ivanow in St. Petersburg. Petipa choreografierte die pompösen und virtuosen "Gesellschaftsbilder" am Hof wie das Fest mit den Nationaltänzen und dem effektvollen Auftritt des Schwarzen Schwans Odile. Ivanow war für die beiden "weißen Akte" mit der Schwanenkönigin Odette zuständig. Sie faszinieren durch klare, der Musik folgenden choreografische Linien und eine verhalten lyrische Ausdruckskraft. Beide Elemente zeigen sich auch in der weiblich, häufig von derselben Ballerina getanzten Hauptpartie: Sie kann sich als Odette von fragil verletzlicher Seite zeigen, aber auch als verführerischer Vamp brillieren. Odile dreht auf dem Standbein 32 mit dem Spielbein gepeitschte Pirouetten.

Moderne Choreografen versuchten sich jedoch durchaus erfolgreich an Neuinterpretationen des Märchens von der verzauberten Fee Odette. John Neumeier verknüpfte in "Illusionen - wie Schwanensee" (1976) die Geschichte mit jener König Ludwigs II. von Bayern, präsentierte jedoch den "weißen Akt" als "Theater im Theater" in Ivanows lupenreiner Choreografie. Der Schwede Mats Ek zeigte Siegfried 1987 beim Cullberg Ballett als muttergebundenen Sohn einer herrschsüchtigen Königin, der ihr glatzköpfiges Ebenbild inmitten einer grotesk watschelnden Vogelhorde begehrt. Beim britischen Choreografen Matthew Bourne gerät 1995 der homosexuelle britische Thronerbe erst in sinistre Bars, dann im Park unter federschüttelnde sexy Schwanenkerle, die ihn verführen.

Da ist es doch immer wieder ein erholsames Vergnügen, statt einer Konfrontation mit Neurosen und prosaischer Wirklichkeit in eine zwar naive und gut bekannte, doch wunderschöne und magische Märchenwelt eintauchen zu dürfen. Und sich von den malerischen Dekors, der Noblesse und Schwerelosigkeit des akademischen Spitzentanzes in einer zeitlosen Präsentation von "Schwanensee" zu Peter Tschaikowskys berauschender Musik verzaubern zu lassen.

Schwanensee 29.12., 19 Uhr, CCH1 (S Dammtor, U Stephansplatz), Karten zu 27,95 bis 56,98 (Kinder bis 14 Jahre) 22,58 bis 45,80 in allen Abendblatt-Ticketshops und unter der Ticket-Hotline T. 30 30 98 98