Kommentar: ARD weitet Angebot im Netz aus

Angriff auf die Pressevielfalt

Es sollte wohl so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk sein, was die ARD da Anfang der Woche versprach: Bald will der Sender seinen Dienst tagesschau.de auch kostenlos auf iPhone-Mobiltelefonen anbieten. Was wie eine Serviceoffensive anmutet, ist in Wahrheit eher ein Angriff auf die Konkurrenz, ja auf die Pressevielfalt. Vor Kurzem hatten der Spiegel-Verlag und die Axel Springer AG, in der auch das Abendblatt erscheint, kostenpflichtige Angebote für iPhones auf den Weg gebracht. In fast allen Verlagen setzt sich, beschleunigt durch die Medienkrise, die Erkenntnis durch: Wer Qualitätsjournalismus und Tausende von Jobs in der Branche erhalten will, kann seine Inhalte im Internet nicht länger verschenken. Gerade der ARD dürfte das nicht neu sein. Ihr vermeintlich "kostenfreies" Angebot haben die Nutzer nämlich schon bezahlt - mit 17,98 Euro GEZ-Gebühr pro Monat. Diese Millionen setzt der öffentlich-rechtliche Sender nun ein, um neue Claims abzustecken und den Wettbewerb auszuhebeln. Weihnachtsgeschenke sehen anders aus.