Medien-Macher

NDR prüft Liste mit Heinze-Nachfolgern

Eine endgültige Entscheidung soll offenbar bereits im Januar kommenden Jahres getroffen werden.

Hamburg. Gut drei Monate nachdem die Machenschaften der geschassten NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze aufflogen, macht man sich im Sender Gedanken um einen Nachfolger. Offenbar gibt es eine Liste mit Kandidaten, die nun abgearbeitet wird. Dem Vernehmen nach will man noch diesen Monat mit einigen von ihnen sprechen und im Januar eine Entscheidung treffen. Ob dieser Zeitplan aber auch eingehalten werden kann? "Der NDR ist dabei, diese Besetzungsfrage zu klären", sagt ein Sendersprecher. "Mehr lässt sich dazu derzeit nicht sagen."

Kommissarisch ist NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber auch für das Fernsehspiel zuständig. Stars wie Maria Furtwängler , die im NDR-"Tatort" die Kommissarin Charlotte Lindholm gibt, sollen aber auf eine schnelle endgültige Lösung drängen. Als mögliche Kandidaten für die Heinze-Nachfolge gelten RTL-Fictionchefin Barbara Thielen , die Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Unterhaltung Wort Heike Hempel, die Leiterin der Redaktion Fernsehspiel beim Bayerischen Rundfunk Bettina Ricklefs und die Produzentin Susanne Ottersbach-Flimm . Auf der Liste sollen aber auch Namen von Männern stehen.

Als die Zeitschriftenwelt noch in Ordnung war, gab es Verleger wie Dirk Manthey von der Verlagsgruppe Milchstraße ("TV Spielfilm", "Fit for Fun"). Von seinen Kompagnons, dem italienischen Rizzoli- und dem deutschen Burda-Verlag, ließ er sich eine so genannte "Paradise Clause" garantieren. Sie sicherte ihm fünf Monate Urlaub im Jahr zu, die Manthey meist in seinen Villen in Malibu und auf Ibiza verbrachte. Und heute? Die Verlagsgruppe Milchstraße gehört längst Burda allein. Titel wie "Max" und "Amica" wurden eingestellt. Und Dirk Manthey versucht, sein stattliches Anwesen auf Ibiza zu verkaufen. Der Preis soll irgendwo zwischen 15 und 20 Millionen Euro liegen.

Das Ende der Zeitschrift " Junge Karriere " als eigenständig erscheinender Titel ist beschlossene Sache. Auf einem Managementtreffen der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) Ende November wurde entschieden, die letzte Ausgabe des Blattes am 23. Dezember erscheinen zu lassen. Ein Verlagssprecher mag das zwar nicht offiziell bestätigen, kündigt aber für kommende Woche eine Pressemitteilung an. Künftig soll "Junge Karriere" in den VHB-Titel "Handelsblatt" integriert werden.

Gruner + Jahr-Chef Bernd Buchholz redet wieder mit den Redaktions-Beiräten seines Hauses. Ursprünglich wollte er mit ihnen erst nach einer Entschuldigung für einen Brief sprechen, in dem die Beiräte die Vermutung geäußert hatten, der scharfe Sparkurs bei Gruner + Jahr sei "womöglich weniger Zukunftssicherung für den Verlag als Arbeitsplatzsicherung für den Vorstand".

Montag vergangener Woche nun sagten sie dem Vorstandschef, sie stünden zu ihrem Schreiben, hätten ihn aber nicht beleidigen wollen. Buchholz entgegnete, er werte dies als Entschuldigung, was die Beiräte nicht kommentierten. Aus ihrem Umfeld heißt es jedoch, dass sie ihre Äußerung nicht als Entschuldigung verstanden hätten. Wie fragil die neuen Bande zwischen Beiräten und Buchholz ist, zeigte sich bei einer Betriebsversammlung am Dienstag, als der G+J-Chef fallen ließ, zwei Beiräte aus der "Brigitte"-Redaktion seien zurückgetreten. Was er nicht erwähnte ist, dass es bei "Art" einen neuen Beirat gibt.

Die Verluste von " Der Westen ", dem Online-Portal der Ruhrgebietszeitungen der WAZ-Gruppe , sind wohl höher als erwartet. Nun versucht die Essener Verlagsgruppe gegenzusteuern. Offenbar ist vorgesehen, die Titel der Blätter, die bisher hinter der Dachmarke "Der Westen" zurückstehen müssen, online zu stärken. "Es wird diskutiert, ob wir die Marken unserer NRW-Zeitungen im Internet nicht stärker einsetzen sollten", sagt ein Verlagssprecher. "Die Entscheidung dieser Diskussion ist aber offen."

Katharina Borchert , Chefredakteurin von "Der Westen" und Geschäftsführerin von WAZ NewMedia wird das Ende dieser Diskussion nicht mehr abwarten. Sie verlässt das Haus wesentlich früher als ursprünglich geplant: Kommenden Freitag hat sie ihren letzten Arbeitstag. Bei ihrem neuen Arbeitgeber, der SpiegelNet GmbH, für die sie als Geschäftsführerin von Spiegel Online wirken wird, tritt sie statt am 1. April schon am 1. März an. Einen Nachfolger für sie gibt es einstweilen weder bei "Der Westen" noch bei der WAZ NewMedia.

Kai-Hinrich.Renner@abendblatt.de