Laeiszhalle: Schiller und Mauerfall

Viele Aussetzer, ein Glanzlicht - allzu ehrgeiziges Programm

Die Hamburger Camerata setzt sich hohe Ziele. Wenn sie diese wirklich erreichen will, braucht sie einen Orchestererzieher.

Hamburg. Gern setzt die Hamburger Camerata mit ausgetüftelten Programmen eigene Akzente im Hamburger Konzertkalender. Am Montag gedachte sie in der übersichtlich gefüllten Laeiszhalle mit "Musik & Balladen" des 250. Geburtstags von Friedrich Schiller und des 20. Jahrestags des Mauerfalls. Die Kultursenatorin Karin von Welck las zu Beginn ein Grußwort ab, dann betrat der Thalia-Schauspieler Philipp Hochmair die Bühne und warf unverstärkt mit großer Stimme und großer Geste "Die Bürgschaft" in den Saal, bis ihn sein Gedächtnis im Stich ließ.

Gottlob hatte er ein Textheft dabei - was ihm später bei der "Ode an die Freude" auch nicht mehr helfen konnte. Da verfing sich der Rezitator gleich dreimal hintereinander in den Dichterworten. Hochmairs Aussetzer passten auf seltsame Weise perfekt zum musikalischen Teil des Abends. Die Camerata spielte manches - etwa den ersten und letzten Satz von Haydns Sturm-und-Drang-Sinfonie A-Dur sowie das Prestissimo aus C.P.E. Bachs Berliner Sinfonie Es-Dur - mit wahrem Feuereifer. Da stehen die Musiker wie unter Strom, spielen präzis und dynamisch lebendig zusammen.

Kaum aber geht das Tempo runter, gerät die Camerata ins Wackeln. Dann wird, wie im langsamen Satz bei Haydn, die Intonation fragwürdig, eiern die Streicherstimmen wie im Trio des dritten Satzes planlos vor sich hin und verblasen sich die Hornisten.

Recht einsamer Glanzpunkt des Abends war das fesselnd genaue und intensive Spiel des 17-jährigen Dresdner Geigers Albrecht Menzel, der von der Deutschen Stiftung Musikleben gefördert wird. Menzel spielte mit seinem Altersgenossen León Bernsdorf am Klavier die Solopartien von Lera Auerbachs "Suite concertante", einer passagenweise berührenden, aber wenig eigenschöpferisch wirkenden Komposition zwischen Paganini und Arvo Pärt. Der Camerata-Cellist Georg Pawassar erwies sich als ebenbürtiger Partner.

Weit jenseits ihrer Möglichkeiten verstieg sich die Camerata mit dem Streicherarrangement von Beethovens Großer Fuge. Selbst wenn die Musiker technisch in der Lage wären, das Stück unfallfrei über die Runden zu bringen: Klingen muss Musik doch auch noch. Und auch Claus Bantzer hatte keinen guten Tag. Der pensionierte Kirchenmusiker brachte als Dirigent weder Idee noch Zug in seine Spielgemeinde. Da die Camerata auch unter ihrem Chefdirigenten Max Pommer nicht (mehr) besser spielt, scheint die Zeit reif für einen neuen Orchestererzieher.