Phoenix: Ihr Pop ist international angesagt

Eine Band weit jenseits von Versailles

Die Zeiten in Pariser Kellern sind lange vorbei: Am 12. November gastiert das französische Pop-Quartett Phoenix im ausverkauften Docks.

Hamburg. Es gibt diesen Unterschied zwischen C-Sängern, die sich in Interviews aufblasen und ein riesiges Theater um ihre Person veranstalten. Und ihre Musik? Verschwindet hinter wilder Kostümierung und inszeniertem Budenzauber.

Bei Phoenix-Sänger Thomas Mars ist es genau umgekehrt. Bescheiden sitzt der Frontmann der derzeit international gefeierten französischen Band vor einem. Sympathisch verwuscheltes Haar, Jeans, ein Hemd in knittrigem Hellblau. Unspektakuläre Arbeitskleidung, die so gar nicht zu einem anerkannten Stilritter passt.

Genauso sympathisch sieht er aus, wenn er mit seiner Partnerin und Mutter der gemeinsamen Tochter, der Filmregisseurin Sofia Coppola, von den roten Teppichen dieser Welt winkt. Mars blickt aus freundlichen Augen: "Wir machen uns keine Gedanken darüber, wie das ankommt, was wir tun", sagt er, und es klingt noch nicht einmal kokett.

Dabei ist Mars der Sänger und nebenbei ehemalige Trommler - seitdem hat die Band keinen mehr - einer Band, die seit ihren Hits "Too Young" und "If I Ever Feel Better" 2000 als Garant für einen unverschämt elegant-lässigen Pop gilt. Ihre Alben "United", "Alphabetical" und "It's Never Been Like That" unterscheiden sich in Nuancen, wirken aber alle auf wunderbar unangestrengte Weise tanzbar, sorglos, verträumt. Als würde jemand versuchen, mit Rockgitarren Rhythm and Blues zu spielen. Manch einer bemängelt da eine professionelle Langeweile. Aber bei Phoenix ist der Boden immer uneben. Man kann jederzeit einstürzen.

Denn auch die Phoenix-Mitglieder, obwohl im großbürgerlichen Versailles aufgewachsen, wissen, dass das Leben keine endlose Party ist. Mit Cover-Versionen von Hank Williams oder Prince haben sie anfänglich Pariser Bars beschallt und im heimischen, mit Eierkartons ausgekleideten Keller geprobt. "Versailles ist eine schöne Stadt, aber langweilig. Da muss man weg. Sie ist das Gegenteil von Rock 'n' Roll", sagt Thomas Mars ohne Groll. "Versailles ist traditionell und katholisch."

Rockmusiker in Frankreich zu sein, eigentlich gab es das ja noch nie wirklich. "Französischer Rock ist wie englischer Wein", befand einst John Lennon. "Es gibt feststehende Codes. Wir haben versucht, sie zu zerstören, von der Autobahn abzubiegen. Aber das brauchte Zeit. Viele hielten unsere Musik für Soul", sagt Mars. Als Anfang der 90er-Jahre neue Aufnahmetechniken aufkamen, konnten Phoenix und befreundete Bands wie Air und Daft Punk aus dem Viertel endlich ihre Musik in den eigenen Räumen aufnehmen. Schnell zog die Band Kreise. Mit Air zusammen sang Thomas Mars in Sofia Coppolas Film "The Virgin Suicides" den Titelsong, in "Lost in Translation" tanzten Bill Murray und Scarlett Johansson zu "Too Young". Und in Coppolas "Marie Antoinette" hatte Phoenix sogar einen Kurzauftritt.

Bei Thomas Mars zweifelt man keine Sekunde daran, dass es ihm nur um die Musik geht. Nicht etwa um Partys, Frauen, Alkohol. "Wir brauchen hässliche, traurige Räume. Keine Kerzen. Am besten Neon direkt ins Gesicht." In dieser Versuchsanordnung lassen er und die Kindheitsfreunde Deck D'Arcy (Bass, Keyboard), Christian Mazzalai (Gitarre, Keyboard) und Laurent Brancowitz (Gitarre, Keyboard) die Köpfe rauchen. "Wir nehmen jede Idee auf", sagt Mars. "Da sind wir vollkommen voneinander abhängig."

Auf diese Weise ist auch das aktuelle Album mit dem unbescheidenen Titel "Wolfgang Amadeus Phoenix" entstanden. Ein weiterer Versuch, britisch inspirierten Rock zu spielen. Der aber mit jedem Gitarrenriff unfassbar lieblich und reizend bleibt. Eben sehr französisch.

"Mozart ist eine Ikone", sagt Mars mit seinem fast unmerklichen Lächeln. "Wie so viele wird er aber nicht immer gut behandelt." Auf dem Werk mäandert auch schon mal ein achtminütiges Instrumentalstück "Love Like A Sunset" in Verbeugung vor Steve Reich. Eine persönliche Fußnote.

Man vergisst schnell, dass Mars den heimischen Keller schon lange verlassen hat, zwischen Paris und New York pendelt und Teil des berühmten Coppola-Clans ist. Aber niemals würde er Theater darum machen.

Phoenix: Do 12.11., 20.00, Docks, Spielbudenplatz 19, ausverkauft