Doku: Schlimmer als Krieg. So, 23.50 Uhr ARD

Ein Protest gegen das Wegsehen: Daniel Goldhagens Film über Völkermord

Ruanda, 1994: In nur knapp 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit rund 800 000 Männer, Frauen und Kinder der Tutsi-Minderheit. Die Opfer wurden erschlagen, zerstückelt, erschossen.

"Das sind Tiere, wurde uns gesagt, die müsst ihr töten, sonst töten sie euch", erzählt einer der verurteilten Mörder dem Politologen und Autor Daniel Goldhagen im Interview.

Goldhagen, der mit seinem Buch "Hitlers willige Vollstrecker" vor einem Jahrzehnt eine sehr kontroverse Diskussion auslöste, setzt sich in dem Begleitfilm zu seinem neuen Buch "Schlimmer als Krieg" mit den Völkermorden der jüngeren Geschichte auseinander. Völkermord heißt nicht nur "Genozid". Nach Goldhagens Untersuchungen fallen darunter alle gezielten Maßnahmen zur Eliminierung einer Bevölkerungsgruppe: Entrechtung und Arbeitsverbote, Massenvergewaltigungen, Vertreibung bis zur Vernichtung. "Massenmord ist immer eine politische Entscheidung, kein Ausbruch unkontrollierbaren Hasses", sagte Goldhagen im Gespräch in Hamburg. Für seinen Film besuchte er etliche Länder, in denen Regierung, Militär oder Rebellenführer eine gezielte Eliminierung betrieben, darunter Bosnien, Guatemala und die Ukraine. Sein Film ist ein Aufschrei gegen das Wegsehen, Wegdiplomatisieren. Statt dessen fordert er konsequente Intervention, etwa durch einen "Weltwächterrat" - wieder eine Kontroverse.