Konzert: Eine Legende zu Gast

Ein weiser Stein für den Boogie-Woogie

Rolling Stone Charlie Watts spielt am 12. Oktober mit Axel Zwingenberger im St.-Pauli-Theater.

"Dumpfe Empörung gegen alles!" Die Abendblatt-Kollegen von damals waren schon ziemlich erschrocken, als die Rolling Stones im September 1965 für zwei Konzerte in der Hamburger Ernst-Merck-Halle einfielen und für Tumulte sorgten. Während in der Halle 6000 Teenager der Ohnmacht nahe waren, riefen vor der Tür 2000 Jugendliche "Jetzt gibt es Putz!" und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. 700 Beamte waren mit zwei Wasserwerfern angerückt, um dem Aufruhr rund um Mick Jagger, Keith Richards, Brian Jones, Bill Wyman und Charlie Watts ein Ende zu machen.

"Och, an die Ausschreitungen kann ich mich nicht erinnern", sagt Stones-Drummer Charlie Watts, am Telefon auf die Hamburger Bambule von 1965 angesprochen. Und mit Ausschreitungen ist auch nicht zu rechnen, wenn Watts am Montag nach Hamburg kommt, um ohne die Stones, aber mit Axel Zwingenberger, Ben Waters, Dave Green, Jools Holland und Lila Ammons im St.-Pauli-Theater aufzutreten. Boogie-Woogie statt Rock 'n' Roll.

1986 lernten sich Ahrensburgs Boogie-Pianist Axel Zwingenberger, Charlie Watts und Bassist Dave Green bei Aufnahmen für die BBC-Dokumentation "The South Bank Show - The History Of Boogie-Woogie" kennen und schätzen, doch erst im Frühjahr 2009 gab es die Möglichkeit, alte Boogie-Bande neu zu knüpfen und zusammen einige Klubshows zu spielen.

"Boogie-Woogie ist großartig, schließlich ist er der Ursprung von Rock 'n' Roll", sagt Watts zu seiner Leidenschaft für den Anfang des 20. Jahrhunderts populär gewordenen Musikstil, "und Boogie hat Swing, vor allem, wenn man mit Axel und Dave zusammenspielt." Während Zwingenberger, Waters und Holland wie wild in die Tasten hauen und Ammons singt, hält Watts mit Green den Laden zusammen. Ohne Setliste wird improvisiert, als wäre der Boogie nichts anderes als eine gemeinsame Muttersprache, die alle Musiker verbindet. Nach einigen Konzerten in Südengland feiert die Boogie-Bande nun ihre Kontinental-Premiere auf dem Kiez - neben der Davidwache.

St. Pauli Boogie-Woogie-Nacht Mo 12.10., 20.00, St.-Pauli-Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29-30, Karten ab 29,50 bis 39,50 unter T. 47 11 06 66; Internet: www.st-pauli-theater.de