Karasek: Schon wieder Reich-Ranicki?

Alles nur eine Frage der Zähne

Eine Kulturmeldung aus der Welt des Fernsehens hat mich diese Woche besonders fasziniert, ja elektrisiert, sodass ich, mit der Zeitung in der Rechten raschelnd, aus dem Sessel sprang und halblaut (allein zu Haus neige ich zum Einsamkeitssyndrom der Selbstgespräche) sagte: "Nein!!" Zwei Ausrufezeichen.

"Schon wieder!?" Ausrufezeichen, rhetorisches Fragezeichen. Was mich zu der motorischen und rhetorischen Spontaneität trieb, war die Meldung, dass Marcel Reich-Ranicki für den Deutschen Fernsehpreis nominiert ist. Für den Preis, der am 26. September 2009 in Köln wie alljährlich verliehen wird.

Aber - dachte ich. Das war doch schon einmal. 2008. Auch im September. Da bekam der Verehrte den Preis schon einmal, mit den bekannten Folgen: "Ich nehme den Prrreis nicht an!", hatte er gesagt! Dem Moderator Gottschalk damit eine Steilvorlage für Geistesgegenwart live geliefert. Den deutschen Fernsehverantwortlichen eine Besinnungsminute über ihre Programmqualität geliefert, bevor sie wieder zur Tagesordnung übergingen. Dem Kollegen Michael Jürgs eine Idee für einen Bestseller mit dem Titel "Seichtgebiete"; der für ihn eifernden Elke Heidenreich einen Rausschmiss aus dem ZDF. Und damit, indirekt, der Autorin über Schmuddelecken am menschlichen Körper (Feuchtgebiete), Charlotte Roche, einen Platz an der Seite von Giovanni di Lorenzo, weil Amelie Fried in die Nachfolge berufen wurde.

Veronica Ferres gab er die Chance, künftige Ehequerelen und Scheidungsabsichten öffentlich erstmalig anzudeuten. Kurz: Reich-Ranicki hatte mit seinen vernichtenden Sätzen über das Fernsehen, das er weitgehend nur vom Hörensagen und der Preisverleihung kannte, den Nagel auf den Kopf getroffen. Das also nun noch einmal? Da capo!

Nein, diesmal tritt Matthias Schweighöfer auf, der in "Mein Leben" den jungen Altmeister M. R.-R. gespielt hatte. Wird er, in der Maske des Alten, jetzt auch krähen: "Den Prrreis nehme ich nicht an!"? Das ist kaum anzunehmen. Obwohl im Fernsehen die Vermischung von Wahrheit und Fiktion, von Spiel und Person irreversibel scheint. Am gleichen Abend soll Hape Kerkeling als Horst Schlämmer preisgekrönt werden. Der Unterschied ist hier nur eine Frage der Zähne.